Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit

Auf der Suche nach dem schlesischen Himmelreich

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Schlesien im Deutschen Kaiserreich

Das Zusammenleben der deutsch- und polnischsprachigen Bevölkerung in Oberschlesien war über Jahrhunderte friedlich verlaufen. Es wurde erst durch den Nationalismus, der sich Ende des 19. Jh. auf beiden Seiten ausbreitete, zerstört. Den ersten Schritt dazu tat die deutsche Reichsregierung unter Bismarck. Bestrebt einen einheitlichen deutschen Nationalstaat aufzubauen, ging Bismarck gegen alle „Reichsfeinde” vor, die in seinen Augen die Einheit gefährdeten: die nationalen Minderheiten der Polen, Elsässer und Dänen, aber auch die katholische Kirche und die katholische Partei, das Zentrum, deren Anhänger nach Bismarcks Meinung dem Papst mehr gehorchten als dem Staat.

Der Kampf gegen die katholische Kirche, der so genannte Kulturkampf von 1871-1887, betraf wegen ihrer katholischen Konfession die deutsche ebenso wie die polnische Bevölkerung Oberschlesiens. Für die polnische Bevölkerung kam aber noch eine immer aggressiver werdende Germanisierungspolitik hinzu. Sie zeigte sich besonders in den Sprachgesetzen. Dem Verbot des Schulunterrichts in polnischer Sprache 1873 (zunächst mit Ausnahme des Religionsunterrichts, ab 1906 ebenfalls verboten) folgte 1876 die Einführung des Deutschen als alleiniger Amtssprache bei allen Behörden und Gerichten und schließlich 1908 die verbindliche Benutzung des Deutschen bei allen öffentlichen Versammlungen (z.B. von Parteien, Vereinen). Des weiteren wurde mit einer gezielten Ansiedlungspolitik versucht, die Zahl der deutschen Bewohner zu erhöhen. 1885 kam es zu einer Massenausweisung von fast 26 000 Polen, die in den Jahren zuvor als Gastarbeiter in den Ostprovinzen eingewandert waren. Diese Unter-drückungspolitik führte aber nur dazu, dass sich so mancher Bewohner Oberschlesiens, bisher an der Frage nach seiner Nationalität uninteressiert, nun erst bewusst zu einer polnischen Identität bekannte. Nach der Jahrhundertwende traten die nationalen Gegensätze immer schärfer zutage. Es trat nun in Oberschlesien eine explizit antideutsche, die Unabhängigkeit der polnischen Gebiete fordernde Bewegung auf, deren Führer Wojciech (Adalbert) Korfanty war. Er wurde 1903 in Oberschlesien erstmals zum Reichstagsabgeordneten gewählt. 1907 errangen die national gesinnten polnischen Kandidaten fünf der zwölf oberschlesischen Wahlkreise, d.h. über 40% der Stimmen.

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© Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit   •   letzte Änderung am: 30.10.2006 17:45