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Die Wirtschaft Schlesiens wurde in der Neuzeit neben dem schon immer bestehenden ausgedehnten Handel besonders durch zwei Gewerbe bestimmt, die Leinenweberei und den Bergbau. Die Industrialisierung brachte für beide einen tiefen Einschnitt. Doch während die Weberei in eine Krise stürzte, erlebte die Montanindustrie einen ungeahnten Höhenflug.
Seit dem 16. Jh. war Schlesien ein Zentrum der Textilproduktion. Das Weben von Leinen, d.h. von Textilstoffen aus Flachs, wurde besonders im Sudetengebirge als Nebengewerbe betrieben. Die Weber erhielten die Materialien und Geräte für die Pro-duktion von einem reichen Unternehmer vorgestreckt und verkauften ihm dafür den fertigen Stoff. Als jedoch in England durch technische Erfindungen (mechanische Spinnmaschine und mechanischer Webstuhl) die Herstellung von Stoffen extrem vereinfacht und beschleunigt werden konnte, war das in Handarbeit hergestellte schlesische Leinen nicht mehr konkurrenzfähig. Die Unternehmer versuchten, der rückläufigen Nachfrage mit Senkung der Abnahmepreise zu begegnen, was zu einer immer größeren Armut und Verelendung der Weber und ihrer Familien führte. Obwohl sie bis zu 16 Stunden täglich ihre Stoffe anfertigten, reichten die extrem niedrigen Erlöse nicht einmal aus, um die wichtigsten Grundnahrungsmittel zu kaufen. So kam es 1844 zu den als Weberaufstand bekannten Hungerrevolten, zur ersten proletarischen Erhebung in Deutschland.
In den Weberorten Langenbielau (Bielawa) und Peterswaldau (Pieszyce) im Eulenge-birge (Góry Sowie) zogen die Weber im Juni 1844 im Protestmarsch vor die Häuser der Unternehmer und forderten höhere Preise. Die höhnische Reaktion des Unterneh-mers Zwanziger in Peterswaldau brachte sie derart auf, dass sie dessen Haus stürmten und plünderten. Ähnliches geschah in Langenbielau. Daraufhin ließ die Obrigkeit Militär anrücken, das das Feuer auf die Weber eröffnete und elf Menschen tötete. Über 100 Weber wurden verhaftet und zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Die extreme Verelendung und die menschenunwürdigen Lebensbedingungen der schlesischen Weber wurden damals deutschlandweit beschrieben und angeklagt. Künstler nahmen sich des Themas an, Heinrich Heine und Ferdinand Freiligrath schrieben Weberlieder, Käthe Kollwitz fertigte einen Zyklus von Radierungen an. Am bekanntesten ist das Schauspiel „Die Weber“ (1893) des gebürtigen Schlesiers Gerhart Hauptmann, das neben seiner hochdeutschen Fassung auch im schlesischen Dialekt erschien.
Der zweite Wirtschaftszweig, der Bergbau, nahm im 19. Jh. einen rasanten Aufschwung. Schon nach dem Siebenjährigen Krieg hatte Friedrich II. die königlichen Eisenhütten in Kreuzburg (Kluczbork) und Malapane (Ozimek) in Oberschlesien anlegen lassen, um dort Geschütze für die Armee zu produzieren. Er schickte erfahrene Ingenieure nach England, die die neuen Techniken des Bergbaus erkunden sollten. Auf deren Anweisung wurde 1788 in einem Bergwerk von Tarnowitz (Tarnowskie Góry) die erste Dampfmaschine in ganz Deutschland in Betrieb genommen. Kurz darauf baute man, ebenfalls deutschlandweit erstmalig, in Gleiwitz (Gliwice) und in Königshütte (Chorzów) ab 1796 die ersten Kokshochöfen, in denen Steinkohle statt Holzkohle als Brennmaterial verwendet wurde. So entstand auf staatliche Initiative in Oberschlesien das erste deutsche Industrierevier, dessen Produktionszahlen erst Mitte des 19. Jh. vom Ruhrgebiet übertroffen wurden.
Einen enormen Aufschwung brachte dem oberschlesischen Revier der Eisenbahnbau (die erste Strecke ging 1842 von Breslau nach Brieg), durch den eine ungeheure Nachfrage nach Eisenprodukten und, für deren Herstellung, nach Kohle entstand. Die Zahl der Beschäftigten in den Kohlegruben nahm ständig zu: von 700 (1800) auf 10 000 (1860) und schließlich 120 000 (1913). Die in der Landwirtschaft wie in der Weberei nicht mehr benötigten Arbeitskräfte fanden hier eine neue Beschäftigung. Durch starke Bevölkerungszunahme wuchsen die kleinen mittelalterlichen Städte innerhalb weniger Jahrzehnte zu Großstädten heran. Besonders das südliche Oberschlesien wurde ein stark verdichteter Siedlungsgroßraum rund um die Städte Beuthen (Bytom), Königshütte (Chorzów), Gleiwitz (Gliwice), Hindenburg (Zabrze), und Kattowitz (Katowice), die fast nahtlos ineinander übergehen und noch heute die dicht besiedeltste Region Polens bilden.
Zugleich mit der Schwerindustrie entstand in den schönen Mittelgebirgslandschaften des Riesengebirges (Karkonosze), der Heimat von Rübezahl, und des Glatzer Berglands (Kotlina Kłodzka) eine erste Tourismusregion. Reiseziele waren Heilbäder und Kurorte wie Bad Warmbrunn (Cieplice Zdrój), Bad Kudowa (Kudowa Zdrój) und Bad Landeck (Lądek Zdrój), zu Beginn des 20. Jh. entstanden auch erste Wintersportgebiete. Damals wie heute sind die vielen Burgen und Schlösser Niederschlesiens touristische Anziehungspunkte. Besonders im Hirschberger Tal, eine von der Bober (Bóbr) durchflossene Landschaft am Fuße des Riesengebirges, drängen sich auf engstem Raum etwa ein Dutzend Schlösser, wie das von den preußischen Königen als Sommerresidenz genutzte Schloss Erdmannsdorf (Mysłakowice), die Schlösser von Schildau (Wojanów), Fischbach (Karpniki) oder Lomnitz (Łomnica), alle umgeben von weitläufigen Parkanlagen im englischen Stil. Man hat dieses Gebiet auch als Schlesisches Elysium bezeichnet.
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