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Auf der Suche nach dem schlesischen Himmelreich

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Schlesien als Teil Böhmens

Mit der Unterstellung unter die Lehnshoheit des böhmischen Königs war dieser der Oberherr der schlesischen Fürstentümer geworden. Schlesien wurde ein Nebenland der böhmischen Krone. Die Inhaber der böhmischen Königswürde wechselten (Premysliden, Luxemburger, Jagiellonen). Im Jahr 1526 gelangten die Habsburger in den Besitz der böhmischen Krone und wurden die Oberherrn der schlesischen Herrschaften. Damals regierten nur noch in drei schlesischen Fürstentümern Piastenlinien (1675 starb die letzte Piastenlinie aus). Die heimgefallenen Lehen wurden manchmal neu vergeben, meist aber regierte die Krone das Land nun direkt.

In der Zeit der Reformation wurde Schlesien überwiegend evangelisch, was die katholischen Habsburger zunächst akzeptieren mussten. Doch mit dem Dreißigjährigen Krieg wendete sich das Blatt. Nach der militärischen Niederlage der protestantischen böhmischen Stände 1620 ging der Kaiser immer schärfer gegen die Protestanten vor. Evangelische Priester wurden vertrieben, Schulen geschlossen, die Kirchen umgeweiht, die Bevölkerung zum katholischen Gottesdienst gezwungen. Viele verließen das Land und siedelten sich unmittelbar jenseits der Grenze in Polen an, wo regelrechte Flüchtlingsstädte entstanden, z.B. in Rawitsch (Rawicz), Lissa (Lezno) oder Bojanowo. Evangelische Adelige verloren ihren Besitz, der an katholische Einwan-derer aus den österreichischen Ländern verteilt wurde (z.B. Wallenstein). Im Westfälischen Frieden 1648 wurde den Protestanten auf Drängen Schwedens in den rekatholisierten Gebieten das Recht zum Bau von drei Gotteshäusern, den so genannten Friedenskirchen, zugestanden. Diese drei in Schweidnitz (Świdnica), Jauer (Jawor) und Glogau (Głogów) errichteten Kirchen (letztere brannte 1758 ab) wurden im Inneren mit mehrgeschossigen Emporen ausgestattet, um die vielen Gläubigen aufnehmen zu können (in Schweidnitz finden 7500 Menschen Platz). Aufgrund des Verbots, Steine und Ziegel beim Kirchenbau zu verwenden, sind diese Kirchen in Fachwerkbauweise aus Holz und Lehm errichtet. Später gestattete man den Protestanten den Bau von sechs weiteren so genannten Gnadenkirchen.

Im Gegensatz dazu durfte die katholische Kirche frei bauen, wie sie wollte. Damals entstanden im ganzen Land eine Fülle prächtiger Barockkirchen, die bis heute zu den größten Sehenswürdigkeiten Schlesiens zählen. Zu erwähnen sind die Neubauten der Klöster von Leubus (Lubiąż), Trebnitz (Trzebnica), Heinrichau (Henryków), Grüssau (Krzeszów) und Kamenz (Kamieniec Ząbkowicki), die Wallfahrtskirche auf dem St. Annaberg (Góra Św. Anny), mehrere Jesuitenkirchen und die Jesuitenhochschule in Breslau (genannt Leopoldina). Interessanterweise war diese Zeit der religiösen Auseinandersetzung und des Krieges auch eine Zeit bedeutender Dichter und Denker. Martin Opitz aus Bunzlau (Bolesławiec) und Andreas Gryphius aus Glogau (Głogów) beschrieben die Schrecken des Krieges und fragten nach dem tieferen Sinn dieses unermesslichen Leids. Jakob Böhme aus Seidenberg (Zawidów) beantwortete die Frage nach dem Bösen in der Welt auf mystische Art, indem er Gott als den Ursprung und die Einheit der Gegensätze verstand. Böhme war einfacher Handwerker (Schuster), der nie studiert hatte und seine Bücher als einer der ersten in deutscher Sprache verfasste. Ähnliche mystische Gedanken vertrat auch Johann Scheffler aus Breslau, besser bekannt unter dem Namen Angelus Silesius, was wörtlich „schlesischer Bote” heißt. Er gilt als der große Dichter der Gegenreformation.

In Oberschlesien war die Reformation weniger stark gewesen, die Gegenreformation konnte sich hier fast völlig durchsetzen. Im 17. Jh. bildete sich daher in Schlesien eine Konfessionsgrenze zwischen Nieder- und Oberschlesien heraus. Während Oberschle-sien fast komplett katholisch wurde, machten in Niederschlesien die Katholiken und Protestanten jeweils etwa die Hälfte der Bevölkerung aus. Die Protestanten hatten auch weiterhin unter Restriktionen und Schikanen durch die herrschenden Habsburger zu leiden. Die Folge war, dass die meisten Protestanten den preußischen Einmarsch von 1740 als eine Befreiung von religiöser Unterdrückung begrüßten.

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© Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit   •   letzte Änderung am: 30.10.2006 17:36