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Durch die Vertreibungen sind die Schlesier über das ganze heutige Bundesgebiet verstreut worden. Das Bedürfnis nach Zusammenschluss mit Landsleuten führte bald zur Gründung zweier Landsmannschaften: der Landsmannschaft Schlesien (1950) und einer eigenen Landsmannschaft der Oberschlesier (1949). Die Patenschaft (Schirmherrschaft) über die erstere übernahm das Land Niedersachsen, in dem sich besonders viele Schlesier niedergelassen hatten, die Patenschaft über letztere das Land Nordrhein-Westfalen wegen der schon lange bestehenden Kontakte zwischen dem Ruhrgebiet und Oberschlesien. Die Aufgaben der Landsmannschaften bestehen in der Hilfe für die Vertriebenen (später für die Aussiedler) bei der Integration, in der Pflege des Kulturerbes und der politischen Vertretung der Heimatvertriebenen.
Als Konsequenz des Vertreibungserlebnisses beschlossen die Vertriebenenorganisa-tionen aller ostdeutschen Regionen 1950 die Charta der Heimatvertriebenen. Darin erklärten sie ihr unaufgebbares Recht auf Heimat aufrechtzuerhalten, aber auf Rache und Vergeltung zu verzichten. Einen ähnlichen Schritt zur Aussöhnung taten 1965 die polnischen Bischöfe unter Primas Stefan Wyszynski mit ihrer Erklärung „Wir ver-geben und bitten um Vergebung”. Sie stellten sich damit gegen die offizielle Linie des polnischen Staates, für den die Vertreibung (offiziell „Transfer“ genannt) rechtlich und moralisch einwandfrei war.
Zur Erhaltung und Pflege ihres Kulturerbes haben die Schlesier in Deutschland mehrere Organisationen geschaffen (z.B. die Stiftung Kulturwerk Schlesien), die regelmäßig Zeitschriften herausgeben, Archive und Bibliotheken unterhalten und Tagungen durchführen. Drei Museen zeigen Ausstellungen zu Themen der schlesischen Landeskunde: das Schlesische Museum in Görlitz, das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen und das Museum Haus Schlesien in Königswinter, das Räume im Kloster Leubus (Lubiąż) nutzt. Der Kulturpflege im Kleinen dienen die Patenschaften. Dabei übernimmt eine westdeutsche Gemeinde die Patenschaft für eine Gemeinde aus den ehemaligen Ostgebieten bzw. für deren vertriebene Bewohner. Die Patenschaftsgemeinde bietet den Rahmen für regelmäßige Heimattreffen, unterstützt kulturelle Aktivitäten und die Pflege des Brauchtums, hilft bei der Sammlung und Bewahrung geretteten Kulturgutes. Seit der Wende im Ostblock haben sich diese Patenschaften vielfach zu Partnerschaften zwischen der deutschen und der schlesischen Gemeinde entwickelt – mit gegenseitigen Besuchen und Kooperation auf den Gebieten Kultur, Sport, Jugend.
Die Schlesische Jugend bzw. die Oberschlesische Jugend sind die beiden Jugendorga-nisationen der schlesischen Landsmannschaften. Sie sind in der DJO – Deutsche Jugend in Europa, dem Dachverband sämtlicher landsmannschaftlicher Jugendorgani-sationen zusammengeschlossen. Die DJO bemühte sich seit ihrer Gründung und v. a. nach der politischen Wende in den Staaten Mittel-, Ost- und Südosteuropas um ein partnerschaftliches Verhältnis mit unseren östlichen Nachbarn. So veranstaltete die DJO bereits 1992 in Schweidnitz (Świdnica) ein internationales Jugendcamp mit polnischen, rumänischen, russischen und deutschen Jugendlichen, bei dem der Friedhof der dortigen Friedenskirche renoviert wurde. Nichts verdeutlicht wohl besser, wie sehr die Vertriebenen heute zu einer Brücke der Verständigung zwischen ihrer alten und der neuen Heimat geworden sind.
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