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Was die Nationalsozialisten an den Polen vorgemacht hatten, Zwangsdeportationen und Terror gegen eine wehrlose Zivilbevölkerung, brach nach der Niederlage der Wehrmacht über die deutsche Bevölkerung der Ostgebiete herein. Unmittelbar nach der Eroberung des Landes setzten die so genannten wilden Vertreibungen ein, die mit Verbrechen und Racheakten an der Bevölkerung einhergingen. In frühere Lager der Nationalsozialisten wurden nun Deutsche verschleppt, nicht nur Kriegsverbrecher, sondern auch Zivilisten. Berüchtigt war das Lager Lamsdorf (Łambinowice) in Oberschlesien, wo etwa 6500 Personen umkamen. Über 60 000 Schlesier wurden von der Sowjetunion zur Zwangsarbeit nach Russland deportiert. Nach Monaten wilder Ausschreitungen begann gegen Jahresende die Phase der organisierten Vertreibungen, die gemäß den Beschlüssen der Potsdamer Konferenz von Juli/August 1945 „in geordneter und humaner Weise” ablaufen sollten. In Eisenbahnwaggons wurden täglich Tausende von Menschen von Ost nach West transportiert. Ihren Höhepunkt erreichte die Vertreibungsaktion 1946, im Jahr darauf war sie so gut wie beendet. Auch dem 84-jährigen Gerhart Hauptmann wurde 1946 in seinem Haus in Agnetendorf (Jagniątków) der Ausweisungsbefehl überbracht. Ins Innerste getroffen, starb er einige Tage später. Von den ehemals 5 Mill. Einwohnern Schlesiens 1938 waren nur noch ca. 80 0000 übrig geblieben, fast alle in Oberschlesien. Etwa 380 000 hatten ihr Leben bei Flucht, Vertreibung oder Deportation verloren. Nach 700 Jahren war die deutsche Besiedlung Schlesiens schlagartig beendet worden.
Schon auf der Konferenz von Teheran 1943 hatten die Westmächte der Sowjetunion die Ostgebiete Polens versprochen. Polen sollte dafür mit deutschem Gebiet im Westen entschädigt werden (Westverschiebung Polens). Umstritten war jedoch bis Ende des Krieges der Umfang der von Deutschland abzutretenden Gebiete. Doch Stalin und die von ihm unterstützten polnischen Kommunisten hatten schon 1944 vereinbart, dass alle von der Sowjetunion eroberten Gebiete bis zur Oder-Neiße-Linie an Polen fallen sollten. Auf der Konferenz von Potsdam wurden die Westmächte daher vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie setzten aber durch, dass bis zu einer Friedenskonferenz, welche die endgültige Westgrenze Polens festlegen sollte, die ehemaligen deutschen Ostgebiete nur unter polnischer Verwaltung stünden. Die beiden 1949 entstandenen deutschen Staaten nahmen daraufhin ganz unterschiedliche Standpunkte zur Frage der Oder-Neiße-Linie ein. Die DDR hat sie bereits im Abkommen von Görlitz (poln. Zgorzelec) von 1950 als endgültig anerkannt, die Bundesrepublik dagegen hatte im Zuge der Ostpolitik Willy Brandts im Warschauer Vertrag von 1970 die Unverletz-lichkeit der Grenze zugestanden, beharrte aber auf der juristischen Fiktion, dass Deutschland in den Grenzen von 1937 fortbestehe. Erst im deutsch-polnischen Grenzvertrag 1990 hat die Bundesrepublik die Oder-Neiße-Linie ohne Vorbehalte akzeptiert – als Bedingung für die deutsche Wiedervereinigung.
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