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Die Revision der Grenzen von Versailles blieb auf deutscher wie auf polnischer Seite als Ziel der Politik bestehen. In Hitler sahen viele Deutsche den Vorkämpfer dieses Ziels. Tatsächlich jedoch war Hitler kein Revisionspolitiker, wie seine Behandlung des besiegten Polen zeigt. In das Deutsche Reich gliederte er polnisches Staatsgebiet ein, das weit größer war als die 1919 verlorenen Gebiete. Auch zu Oberschlesien kamen jetzt, neben dem 1921 abgetrennten Teil, altpolnische Gebiete hinzu, die niemals zu Deutschland gehört hatten. Diese dem Reich eingegliederten Ostgebiete sollten zu einem rein deutsch bewohnten Land werden. Die zwischen der deutschen und der polnischen Kultur stehenden Oberschlesier konnten durch Eintragung in die Deutsche Volksliste „Deutscher auf Widerruf” werden, was viele taten. Sie konnten so immerhin dem Terror entgehen, dem die polnische Bevölkerung ausgesetzt war. Kaum hatte die Wehrmacht eine Stadt erobert, gingen die Einsatzkommandos der SS gegen Angehörige der polnischen Intelligenz vor, die zu Tausenden verhaftet und erschossen wurden. In organisierten Vertreibungen wurden Teile der polnischen Zivilbevölkerung aus den „Reichsgebieten“ in das „Generalgouvernement“ (das nicht eingegliederte polnische Staatsgebiet) deportiert. Der Rest der Einwohner wurde völlig entrechtet, alles Grundeigentum konfisziert. Sowohl in ihrer Methode des willkürlichen Terrors und der hemmungslosen Gewalt wie in ihrer Zielsetzung hatte diese Politik mit der des Kaiserreiches nichts mehr zu tun. Denn hier ging es nicht mehr um Assimilierung einer nationalen Minderheit, sondern um Vernichtung eines ganzen Volkes. Hitlers Politik zielte auf neuen Lebensraum, auf Vertreibung der Bevölkerung aus Gebieten, die niemals deutsch gewesen waren und auf die Herabdrückung der Polen zu einem willigen „Sklavenvolk“, das der „Herrenrasse“ zu dienen hatte.
Der deutsche Widerstand formierte sich u. a. auch aufgrund dieser Politik Hitlers. Eine bekannte Widerstandsgruppe war der Kreisauer Kreis, der sich auf dem Gut Kreisau (Krzyżowa) nahe Schweidnitz (Świdnica) traf, das Helmuth James Graf von Moltke gehörte. Hier plante man bei geheimen Treffen ab 1941 den Umsturz des Regimes. Zu dem Kreis gehörten u.a. Peter Graf Yorck von Wartenburg (ein Cousin von Claus Graf Schenk von Stauffenberg), der Jesuit Alfred Delp und der evangelische Theologe und spätere Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier. Die Verhaftung und Hinrichtung Moltkes und anderer Mitglieder machte jedoch die Arbeit der Gruppe zunichte. Nach der Wende in Polen hat man die verfallenen Gebäude des Guts renoviert. Die 1989 gegründete „Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung” hat hier eine Jugend-begegnungsstätte eingerichtet.
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