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Der Name Schlesien (polnisch Śląsk, tschechisch Slezko) leitet sich ab von den Silingen, einem germanischen Volk, das ab dem 2. Jh. v. Chr. das Gebiet des heutigen Schlesien besiedelt hatte. In der Zeit der Völkerwanderung haben die Silingen wie fast alle germanischen Völker ihre Heimat verlassen und sind nach Westen gezogen. Das fast menschenleere Land wurde daraufhin ab Mitte des 6. Jh. von slawischen Stämmen, die aus dem Osten kamen, besiedelt.
Nördlich und südlich von Schlesien hatten sich zwei Königreiche gebildet, Polen und Böhmen, die beide das Land an der Oder für sich beanspruchten. Die Folge waren immer neue Kämpfe um den Besitz Schlesiens. Der böhmische Herrscher Vratislav I. drang um etwa 900 über die Sudeten bis an die Oder vor und errichtete zur Sicherung des Flussübergangs auf einer Insel in der Oder eine Befestigung, die seinen Namen erhielt: Vratislavia. Aus dieser Befestigung entwickelte sich die Hauptstadt des Oderlandes, auf polnisch Wrocław, auf deutsch Breslau (wenn man die Lautverschiebung von W zu B rückgängig macht, ist der alte Name zu erkennen). Inzwischen jedoch war in Polen ein tatkräftiger Herrscher an die Macht gekommen, Boleslaw Chrobry (der Tapfere) aus dem Geschlecht der Piasten. 999 konnte er ganz Schlesien erobern. Die Westgrenze seines Reichs erstreckte sich in etwa entlang der Flüsse Oder und Neiße. Auf diese Grenze beriefen sich im 20. Jh. polnische Politiker, als sie eine Angliederung dieser Gebiete an Polen forderten, ein Polen „in den Grenzen des Boleslaw Chrobry”.
Die Kämpfe zwischen Böhmen und Polen hielten aber weiterhin an und fanden erst im Glatzer Pfingstfrieden 1137 einen vorläufigen Abschluss. Schlesien blieb bei Polen. Im Jahr darauf eilte der König von Polen sein Land testamentarisch unter seinen vier Söhnen auf (gemäß der mittelalterlichen Betrachtung des Staates als eine Art Familienbesitz). Eines dieser Teilgebiete war Schlesien, das der älteste der Brüder, Władysław, bekam. Er wurde damit zum Stammvater der schlesischen Piasten. Doch statt einträchtig – jeder in seinem Gebiet – zu regieren, gerieten die Brüder bald in Streit und Władysław wurde aus seinem Land vertrieben. Er suchte Unterstützung beim deutschen Kaiser Friedrich Barbarossa. Bei einem Feldzug nach Polen erreichte Barbarossa 1163 die Wiedereinsetzung der beiden Söhne des inzwischen verstorbenen Władysław. Sie regierten als Herzöge von Nieder- und Oberschlesien.
Zu den bedeutendsten schlesischen Piasten gehören Heinrich (Henryk) I., der Bärtige, und sein Sohn Heinrich II, der Fromme, Herzöge von Niederschlesien. Heinrich I. war mit Hedwig aus dem Geschlecht der Grafen von Andechs-Meranien, einer aus Bayern stammenden Adelstochter, verheiratet. Hedwig (um 1170-1243) führte ein frommes Leben, widmete sich besonders der Armenpflege und war bei ihren Untertanen so beliebt, dass sie bis heute als Schutzpatronin Schlesiens gilt. Auf ihre Initiative hin wurde das erste Frauenkloster in Schlesien gegründet, das Zisterzienserinnenkloster von Trebnitz (Trzebnica). Hierher zog sie sich nach dem Tode ihres Mannes zurück. Sie wurde 1267 heilig gesprochen.
Hedwigs Sohn, Herzog Heinrich II, wird der Fromme genannt, weil er sein Leben ließ bei dem Versuch, sein Land gegen den Vorstoß der Mongolen zu verteidigen. Diese waren 1241 in Schlesien eingefallen. Heinrich II. stellte sich ihnen mit seinen ca. 10 000 deutschen und polnischen Rittern bei Wahlstatt (Legnickie Pole) in der Nähe von Liegnitz (Legnica) entgegen. In dieser Schlacht wurde das christliche Heer völlig vernichtet. Doch statt weiter nach Westen zu ziehen, machten die Mongolen kehrt, um an der Wahl des neuen Großkhans teilzunehmen. Angeblich soll die Hl. Hedwig selbst den toten Körper ihres Sohnes auf dem Schlachtfeld gefunden haben. An dieser Stelle wurde im 18. Jh. das Kloster St. Hedwig errichtet.
Der frühe Tod Heinrichs II. führte zur Aufteilung seines Herzogtums Niederschlesien unter seinen Söhnen. Es entstanden die Teilherzogtümer Breslau, Liegnitz und Glogau. Durch weitere Teilungen in den folgenden Generationen bildeten sich immer neue Teilherrschaften: Löwenberg, Jauer, Schweidnitz, Münsterberg, Oels. Dasselbe geschah in Oberschlesien. Bis zum Ende des 13. Jh. waren an die 18 Herrschaften entstanden, alle von Piasten regiert, die nichtsdestotrotz einen ständigen Kleinkrieg gegeneinander führten. Um die eigene Herrschaft einerseits gegen die schlesischen Konkurrenten, andererseits gegen das wiedervereinte und erstarkte Polen zu schützen, begaben sich immer mehr schlesische Piastenfürsten in die Lehnshoheit des böhmischen Königs, damals einer der mächtigsten Herrscher innerhalb des Deutschen Reiches (er war einer der sieben Kurfürsten). Von 1289 bis 1327 unterstellten sich alle schlesischen Teilherrscher (bis auf einen) dem böhmischen König. Da Böhmen Teil des Deutschen Reiches war, wurde Schlesien indirekt auch Teil des Deutschen Reiches. Die Versuche Polens unter König Kasimir dem Großen, Schlesien für Polen zurückzugewinnen, waren damit fehlgeschlagen. Im Vertrag von Trentschin 1335 verzichtete Polen formell auf Schlesien.
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