
Wer im Geschichtsunterricht bei der Besprechung des „Zeitalters des Imperialismus“ gut aufgepasst hat, erinnert sich vielleicht noch daran: Vor etwa hundert Jahren hatte sich das Deutsche Kaiserreich mit militärischem Aufwand ein kleines Stückchen China angeeignet, die „Kolonie Tsingtau“. Diese deutsch-chinesische Episode, die 1898 begann, war bereits mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 wieder zu Ende.
Was noch nicht in den Geschichtsbüchern steht und weniger bekannt ist: In neuerer Zeit gab es einen weiteren, diesmal friedlichen und beiderseits gewollten deutsch-chinesischen Annäherungsversuch. Im Jahre 1975 stattete der damalige Bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß „Rotchina“ einen Besuch ab und traf mit den chinesischen Führern Mao Tse-tung und Chou En-lai zu politischen Gesprächen zusammen. Aus diesen ersten Kontakten entwickelte sich ein kontinuierlicher Dialog, der zu einem besonderen Verhältnis zwischen dem Freistaat Bayern und der Provinz Shandong führte. Im Jahre 1987 wurden die völkerverbindenden Bemühungen durch die „Gemeinsame Erklärung zur Herstellung freundschaftlicher Beziehungen“ zu einer dauerhaften Institution.
Die Provinz Shandong gehört heute zu den drei wirtschaftlich fortgeschrittensten Regionen des modernen China. Ihre Hauptstadt Jinan ist ebenso wie der einstmals kleine, unbedeutende Küstenort Qingdao (das frühere „Tsingtau“) eine Millionenstadt. Inzwischen gibt es nicht nur auf den Ebenen der Politik, Wissenschaft und Kultur regen Austausch. Auch intensive wirtschaftliche Verbindungen sind entstanden. Im Jahr 2007 gibt es Anlass zu einem Rückblick, denn die besonderen Beziehungen zwischen den traditionsbewussten High-tech-Regionen Shandong und Bayern bestehen seit zwanzig Jahren.
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