BLZ-REPORT

Die Bayerische Landeszentrale berichtet
Beilage der Bayerischen Staatszeitung   |   Redaktion: Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit

Inhalt der Ausgabe 05/03

Integration durch Fußball
Zur Rolle eines politischen, sozialen und medialen Phänomens mehr...

Behindertenfans und Stadionbau
Lackmustest für die Gesellschaft mehr...

„Fußball ist unser Leben“
Beobachtungen zu einem Jahrhundert deutschen Spitzenfußballs mehr...

Buchrezension: Stanislav Zamecnik: Das war Dachau mehr...

Buchrezension: Zwi Katz: Von den Ufern der Memel ins Ungewisse – Eine Jugend im Schatten des Holocaust: mehr...

Buchrezension:
Zwi Katz: Von den Ufern der Memel ins Ungewisse – Eine Jugend im Schatten des Holocaust

In den letzten Tagen des April 1945 wurde das Konzentrationslager Dachau teilweise evakuiert, vor allem die jüdischen Häftlinge wurden in langen Marschkolonnen aus dem Lager getrieben in Richtung Süden, in Richtung „Alpenfestung“. Die Häftlinge sollten den Siegern nicht in die Hände fallen, sie waren Zeugen schrecklicher Taten. Der Weg führte von Dachau über Starnberg, Wolfratshausen, Geretsried, Bad Tölz bis Waakirchen. Die Häftlinge waren viel zu entkräftet, um solch einen Gewaltmarsch durchzustehen. Viele, die nicht mehr weiter konnten, wurden von den SS-Schergen erschossen, oder mit dem Gewehrkolben erschlagen. Der Evakuierungsmarsch ist deshalb unter dem Namen „Todesmarsch“ in die Geschichte eingegangen.

Zwi Katz ist einer, der diesen Marsch mitgemacht hat, und wie durch ein Wunder überlebt hat, so wie er alle anderen Schrecken vorher überlebt hatte: Pogrome, Ghetto, den Terror der Einsatzgruppen und das Konzentrationslager. Zwi Katz gehört zu denen, die diese schrecklichen Erinnerungen nicht verdrängt haben, sondern versucht haben, die Geschichte aufzuarbeiten. Aus Israel, wo er sich 1948 niederließ, kommt er jährlich nach Deutschland, um am Gedenkzug zu diesem Todesmarsch teilzunehmen und in Schulen und bei anderen Veranstaltungen öffentlich zu sprechen.

Damit seine Erinnerungen weiterleben, wenn er selbst einmal nicht mehr da sein wird, hat er nun ein Buch geschrieben, auf deutsch, erschienen beim Pendo-Verlag. Das Besondere an den Aufzeichnungen von Zwi Katz ist, dass in ihnen nicht nur die Schrecken und um die vielen Wunder beschrieben werden, die nötig waren, damit er all das überleben konnte, sondern dass in ihnen auch seine unbeschwerten Jugendjahre wieder lebendig werden. Er entstammt einer liberalen jüdischen Familie in Litauen und wuchs an den schönen Ufern der Memel auf, erzogen von einem deutschen Kindermädchen. Bis 1941 seine glückliche Kindheit ein abruptes Ende fand: Als Jude durfte er nicht länger das Gymnasium besuchen, und von nun an schwebte er in ständiger Lebensgefahr. Mit seinen Erinnerungen will der Autor einen Beitrag zur Sicherung einer besseren Zukunft leisten, damit sich das, was er erleben musste, nicht wiederholt.

Dr. Zdenek Zofka

Zwi Katz: An den Ufern der Memel ins Ungewisse. Eine Jugend im Schatten des Holocaust, Pendo-Verlag, Zürich 2002, 174 Seiten mit schwarz-weiß Abbildungen, im Handel: 14,90 €

 

 

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