BLZ-REPORT

Die Bayerische Landeszentrale berichtet
Beilage der Bayerischen Staatszeitung   |   Redaktion: Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit

Inhalt der Ausgabe 05/03

Integration durch Fußball
Zur Rolle eines politischen, sozialen und medialen Phänomens mehr...

Behindertenfans und Stadionbau
Lackmustest für die Gesellschaft mehr...

„Fußball ist unser Leben“
Beobachtungen zu einem Jahrhundert deutschen Spitzenfußballs mehr...

Buchrezension: Stanislav Zamecnik: Das war Dachau mehr...

Buchrezension: Zwi Katz: Von den Ufern der Memel ins Ungewisse – Eine Jugend im Schatten des Holocaust: mehr...

Buchrezension
Stanislav Zamecnik: Das war Dachau

Hinter dem lapidaren Titel „Das war Dachau“ verbirgt sich eine höchst spannende und interessante Gesamtdarstellung der Geschichte des Konzentrationslagers Dachau 1933–1945, die vor allem durch eine Besonderheit geprägt ist: Der Autor ist Zeitzeuge und Historiker in einer Person. Stanislav Zamecnik wurde mit 17  Jahren wegen Widerstands gegen die deutschen Besatzer in Mähren verhaftet und im Februar 1941 nach Dachau eingeliefert. Nach der Befreiung des Lagers Ende April 1945 kehrte er in die Tschechoslowakei zurück, wo er sich an der Universität Prag für Geschichte einschrieb und das Studium mit dem Doktortitel abschloss. Als Historiker am Prager Militärhistorischen Institut befasste er sich mit dem tschechischen Widerstand gegen die Deutschen und mit seinem „Lebensthema“: dem Konzentrationslager Dachau.

Als er nach dem Ende des Prager Frühlings seinen Arbeitsplatz verlor, keinen Zugang zu den Archiven mehr hatte und auch nicht mehr publizieren konnte, setzte er dennoch seine Forschungen unter erheblichen Schwierigkeiten fort, unterstützt von der Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Dr. h. c. Barbara Distel, die ihm – auf diplomatischen Wegen – Material nach Prag zusandte. Nach der Samtenen Revolution in der Tschechischen Republik stürzte er sich wieder mit enormer Energie auf sein zentrales Thema, als Autor der Dachauer Hefte und als Mitglied des seit 1994 bestehenden wissenschaftlichen Fachbeirats zur Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Der Autor wertete sämtliche verfügbaren Quellenunterlagen zur Geschichte des Konzentrationslagers aus: Erlebnisberichte von Mithäftlingen, amtliche Unterlagen und Dokumente der SS. Wo die Quellen an ihre Grenzen stoßen, ergänzt er sie mit eigenen Erlebnisberichten und erreicht dabei eine Intensität der Darstellung des grausamen Lageralltags der Häftlinge, wie sie kein Historiker produzieren könnte.

Dennoch ist der Grundton des Buches der einer wissenschaftlichen Darstellung, nüchtern und distanziert. Der Historiker Zamecnik beschreibt nicht nur minutiös die Entwicklung des Konzentrationslagers von seinen Anfängen bis zur Befreiung, sondern er ordnet diese Geschichte auch ein in die Gesamtgeschichte des NS-Regimes, beschreibt die Sonderrolle, die dem Konzentrationslager Dachau im Gesamtsystem der nationalsozialistischen Repression zukam.

Das Buch ist für Mittler der politischen Bildung bei der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit zu beziehen.

Dr. Zdenek Zofka

Stanislav Zamecnik: Das war Dachau, herausgegeben von der Stiftung des Comité International de Dachau. Aus dem Tschechischen von Peter Heumos und Gitta Grossmann. St. Paulus Druckerei, Luxemburg 2002, 435 Seiten, im Handel: 19

 

 

 

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