Emil Hübner †
Am 13. Februar 2004 verstarb nach einer
schweren Krankheit, Dr. Emil
Hübner, Akademischer Direktor am Geschwister-Scholl-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität
München und langjähriger Autor und Referent der Landeszentrale.
Emil Hübner war für die Landeszentrale und insbesondere für diejenigen unter ihren Referenten, die enger mit ihm zusammenarbeiteten, sehr viel mehr als Autor und professioneller Partner. Gut getarnt, aber doch durchschaubar hinter ironischen Distanzierungen und geistvollen Wortspielen verbarg sich ein herzlicher und ungemein sensibler Mensch. So kam es zu freundschaftlicher Nähe, ohne dass daraus je besonderes Aufheben gemacht worden wäre. Emil Hübner arbeitete in seltener Weise verlässlich und präzise. Für die Landeszentrale wirkte er u. a. als Koordinator und Autor bei mehreren Sammelbänden über Parlamentarismus und Parteien verantwortlich mit, zuletzt an der Publikation D 64 Parteien und Wahlen in Deutschland (vgl. Vorstellung in diesem Heft), von deren Erscheinen er noch Kenntnis nehmen konnte. In den Bereichen Parlamentarismus und Parteien lagen seit Jahrzehnten auch seine ureigenen Forschungsgebiete. Man konnte sich auf seine redaktionelle Bearbeitung von Beiträgen anderer Autoren stets verlassen. Es ging ihm um gesicherte Tatsachenbehauptungen, Logik der Argumentation und eine nüchterne, allen selbst verliebten Phrasen abholde Sprache.
Monografien hat er für die Landeszentrale insbesondere zu den Themen Wahlsysteme und „Parlament und Regierung“ vorgelegt. Letztere Publikation ist ein Standardwerk für profunde politische Bildungsarbeit, die weiß, dass es ohne die luzide Kenntnis von Institutionen und Prozessen im politischen Geschehen kein wirkliches Verstehen von Ordnungszusammenhängen geben kann.
Zuletzt war Emil Hübner an der anstehenden grundlegenden Überarbeitung der Veröffentlichung G 1 – „Die politische Ordnung in Deutschland“ maßgeblich beteiligt. Diese Neuauflage kann jetzt erst nach seinem Tode erscheinen.
Emil Hübner wirkte unprätentiös in der akademischen Lehre und Forschung; es lag ihm überhaupt nicht, sich – dazu noch mit den Instrumenten der modernen Medienwelt – zu exponieren. Zugleich aber war er engagiert und im besten Sinne offensiv-parteiisch. Wer ihn näher kannte, wusste, dass er, auch als außen stehender Beobachter, von der Leidenschaft für demokratische Politik erfüllt war, wie sie Max Weber beschrieben hat. Er konnte viel davon vermitteln, dass ‚gute‘ Politik zwar mit Macht zu tun haben und zugleich doch mit Transparenz, mit sachlich-argumentativer Stringenz und mit Engagement für konzeptionelle Ziele wirken muss.
Die Landeszentrale wird Emil Hübner ein ehrendes Andenken bewahren.
Peter März