
Im Januar dieses Jahres beschloss der bayerische Ministerrat ein neues Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus. So teilte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann mit: „Wir müssen unsere Kinder und Jugendlichen so erziehen, dass sie für rechtsextremistisches Gedankengut erst gar nicht anfällig werden. Das Handlungskonzept sieht daher auch Schwerpunktmaßnahmen im schulischen Bereich vor.“
Dieses soll, ergänzend zu einer Intensivierung der direkten Bekämpfungsmaßnahmen durch die Sicherheitsbehörden und der Vernetzung verschiedener Institutionen, einen übergreifenden Informationsaustausch von Bürgern, Schulen, Kommunen und anderen Organisationen ermöglichen.2)
Auf www.bayern-gegen-rechtsextremismus.de werden unter anderem praktische Handlungsanleitungen im Falle eines direkten oder indirekten Kontakts zu Rechtsextremisten geboten. Neben „Erste-Hilfe“-Tipps für Opfer ist ein Ratgeber für potentielle Aussteiger zu finden. Es werden Kontakte zum bayerischen Aussteigerprogramm vermittelt wie auch Interviews und Geschichten von Aussteigern, die erfolgreich den Weg aus der Neonazi-Szene geschafft haben, vorgestellt. Eltern und Bekannte von Rechtsextremen finden hier Denkanstöße und Hilfsangebote.
Die rechtsextremistische Szene bedient sich eines umfangreichen Repertoires subkultureller Codes, die sich nicht jedem sofort erschließen. www.bayern-gegen-rechtsextremismus.de klärt auf über die einschlägige Musik, Kleidungsmerkmale und die vielfach verwendete Symbolik und Internetauftritte der Szene, mit denen sich die entsprechenden Gruppierungen zu erkennen geben und versuchen neue Mitglieder anzuwerben. Für Probleme im Schulbereich stehen ab sofort als direkte Ansprechpartner Regionalbeauftragte für Demokratie und Toleranz zur Verfügung, um betroffene Schüler und Eltern wie auch Schulen über Präventionsarbeit oder bei akuten Problemen zu beraten. Für die allgemeine Öffentlichkeit kann über das Portal die BIGE auf kurzem Wege erreicht werden.
Lehrerinnen und Lehrer finden unter der Rubrik „Lernen“ des Weiteren fachspezifische und fächerübergreifenden Anregungen und Materialien zur Gestaltung von Unterrichtsstunden: Arbeitsblätter und Unterrichtssequenzen, pädagogische Konzepte für die Vermittlung des Themas Rechtsextremismus, Materialkisten sowie Datenbanken für die Suche von Unterrichtsmaterialien. Bewährte schulische und außerschulische Projekte sind ebenso zu finden wie Datenbanken zur Projektsuche und zur Suche von Fördermitteln.
Die Materialien werden laufend ergänzt – alle Nutzer können hier auch ihre eigenen erprobten Unterrichtsprojekte zur Veröffentlichung vorschlagen.
Neben diesen pädagogischen Handreichungen bietet das Portal sehr präzise Lageberichte über rechtsextremistische Aktivitäten in Bayern. Unter anderem wird hier Auskunft über Strukturen, Parteien und Personen aus dem rechtsextremen Umfeld gegeben. Diese Lagebilder sind nach den bayerischen Regierungsbezirke gegliedert und werden halbjährlich aktualisiert. Damit verknüpft sind Ratschläge und Strategien, wie etwa in vor allem betroffenen Städten und Gemeinden Gegenmaßnahmen unmittelbar vor Ort ergriffen werden können – beispielsweise im Fall rechtsextremistischer Konzerte, Aufmärsche oder etwa wenn Rechtsextremisten Immobilien erwerben wollen.
1 Verfügbar unter: http://www.bayern-gegen-rechtsextremismus.de/
2 Vgl. Bayerisches Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus vom 12.01.2009.