Von Achim Wörn
Vor der Talmudschule im Displaced-Persons-Lager in Bad Windsheim, Juni 1947
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
Während des Zweiten Weltkriegs und der Zeit danach kam es in Mittel- und Osteuropa zu enormen Bevölkerungsverschiebungen. Millionen Deutsche flüchteten vor der Roten Armee oder wurden als Folge der Potsdamer Beschlüsse aus ihren angestammten Siedlungsgebieten vertrieben. Parallel dazu mussten auch mehrere Millionen Polen ihre östlich der Curzon-Linie1) gelegene Heimat verlassen, welche nun die neue sowjetisch-polnische Grenze bildete. Diese Vertriebenen wurden daraufhin mehrheitlich in den ehemaligen deutschen Ostgebieten angesiedelt, wo sie etwa 30 Prozent der polnischen Neusiedler stellten. Weitgehend unbekannt ist jedoch, dass man nach Kriegsende auch zehntausende polnische Juden in den vormals deutschen Provinzen Schlesien und Pommern (vor allem in Stettin) ansiedelte.
Die bis dato deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie wurden als Folge des Potsdamer Abkommens2) im August 1945 als Ausgleich für die an die Sowjetunion abgetretenen ostpolnischen Gebiete dem polnischen Staat angegliedert. In Stettin, das größtenteils westlich dieser Linie liegt, wurde zunächst wieder eine deutsche Verwaltung eingesetzt. Dennoch gliederten die Sowjets die Stadt am 5. Juli 1945, wohl aufgrund ihrer Bedeutung als Hafenstadt, dem polnischen Territorium an. Das umliegende Gebiet und der Hafen waren jedoch zunächst noch administrativ Teil der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ) und wurden erst Schritt für Schritt an Polen übergeben.
Viele scheiterten beim Versuch, die durch den Hitler-Stalin-Pakt festgeschriebene Demarkationslinie zwischen den von den Deutschen und den von den Sowjets besetzten Teilen Polens zu überschreiten, und wurden von den sowjetischen Grenzposten zurückgeschickt. Diejenigen, denen der Grenzübertritt dennoch gelang, durften auch in Stalins Herrschaftsbereich keine freundliche Behandlung erwarten. Die Sowjets brachten die polnischen Juden in Arbeitslager in Sibirien, wo viele von ihnen an den Folgen der Entbehrungen starben. Die Situation der Flüchtlinge verbesserte sich erst nach dem Angriff Hitlers auf die Sowjetunion. In Verhandlungen mit Stalin konnte die polnische Exilregierung in London erreichen, dass den dorthin geflohenen Polen wie auch den polnischen Juden gewisse Freiheiten zugestanden wurden.4) Infolgedessen wurden die meisten von ihnen ab 1942 nach Kasachstan und andere zentralasiatische Sowjetrepubliken verlegt. Dort durften sie sich frei bewegen, litten aber weiterhin unter äußerst schwierigen Lebensbedingungen.5)
Als die Niederlage Deutschlands immer absehbarer wurde, vereinbarten die Sowjetregierung und das von Stalin als vorläufige polnische Regierung installierte Lubliner Komitee im September 1944 die Rückführung der sich in der Sowjetunion aufhaltenden Polen und polnischen Juden in ihr Heimatland.6) Für Polen war die Rückkehr einer großen Zahl von Exilanten vor allem auch deshalb wichtig, da es zur Besiedlung und Bewirtschaftung der von Deutschland ab-getrennten Gebiete Siedler benötigte. In diesen Regionen war zudem durch die kriegsbedingte Flucht und die anschließende Vertreibung der deutschen Bevölkerung ausreichend Wohnraum vorhanden. Dies war auch deshalb bedeutsam, da die Heimatorte der Juden oft zerstört worden waren oder aber in den an die UdSSR abgetrennten Gebie-ten lagen.7)
Die Transporte aus der Sowjetunion nach Polen liefen – im Maßstab der damals gängigen Standards – gut organisiert und relativ human ab. In der Regel wurden die Rückkehrer in Güterwaggons transportiert, welche man mit Pritschen und Öfen ausgestattet hatte. Für die etwa dreiwöchige Reise mussten die Flüchtlinge sich jedoch selbst mit Proviant eindecken.8) Die Transporte mit den jüdischen Heimkehrern begannen im Februar 1946 und dauerten bis Juni gleichen Jahres an, vereinzelt trafen auch später noch Züge ein.9)
Das Zugpersonal war von den Behörden angewiesen worden, während der Fahrt durch Polen nicht in grö-ßeren Städten wie Warschau, Krakau oder Lódz zu halten; sie sollten nach Möglichkeit zu den vorgegebenen Endstationen in Schlesien und Pommern durchfahren. Dennoch hielten sie, nachdem sie dafür von ihren Passagieren bestochen worden waren, in diesen Städten, die einstmals großen jüdischen Gemeinden ein Zuhause geboten hatten. Viele der zurückkehrenden Juden wollten wissen, was aus ihren Angehörigen geworden war, die sie dort zurückgelassen hatten. Für sie wurde die Katastrophe, die über das polnische Judentum und ihre Familien hereingebrochen war, nun erst wirklich greifbar. Viele der Rückkehrer wussten nicht, wie es nun weitergehen sollte, sie standen im wahrsten Sinne des Wortes vor dem Nichts. Manche entschieden sich dafür, erst einmal in ihren Heimatstädten zu bleiben, andere fuhren mit den Zügen weiter nach Schlesien und Stettin in der Hoffnung, sich dort ein neues Leben aufbauen zu können. Es kam auch vor, dass sich die Heimkehrer bei der Ankunft sogleich mit Hilfe von zionistischen Aktivisten an die Grenze begaben, um zu emigrieren, da sie in Polen für sich keine Perspektive mehr sahen. Dabei kam es an den Bahnhöfen nicht selten zu lebhaften Diskussionen zwischen Kommunisten, die die Juden zum Bleiben bewegen wollten, und Zionisten, welche ihnen zur sofortigen Ausreise in den Westen rieten.10) Die Züge mit den jüdischen Rückkehrern kamen dann häufig unangemeldet und für die neu installierte polnische Verwaltung völlig überraschend nach Stettin. Diese war in der Anfangszeit mit den Herausforderungen, die sich in der zerstörten Stadt stellten, vielfach überfordert. Der polnische Stadtpräsident Stettins, Piotr Zaremba, schilderte die chaotischen Zustände in seinen Erinne-rungen folgendermaßen: „Zum Beispiel bekomme ich durch die Eisenbahndirektion einen Telefonanruf vom Bahnhofsvorsteher in Stargard, (der mitteilt,) dass durch Stargard ein Zug mit Repatrianten von jenseits des Bug in Richtung des (Stettiner) Hauptbahnhofs fährt. Wir wissen von nichts, nichts ist vorbereitet. Ich bitte darum, den Zug für einige Stunden in Stargard festzuhalten und ihn dann dem Bahnhof Szczecin Niebuszewo (Stettin Zabelsdorf) zuzuweisen, wo das Ausladen einfacher vonstatten geht. Fieberhaft stellen wir […] eine Einquartierungsaktion für ein paar tausend Leute auf die Beine, währenddessen bekomme ich aus Choszczno (Arnswalde) (in) eine(m) zweiten Anruf (mitgeteilt), dass zwei weitere Züge auf dem Weg sind. Die Repatriierungsbehörde wurde […] über nichts informiert.“11)
Eine der ersten Anlaufstellen für die jüdischen Neuankömmlinge war das Staatliche Repatriierungsamt (Panstwowy Urzed Repatricyjny, PUR), welches sowohl für die Zuteilung von Wohnraum an die eintreffenden Juden wie auch für die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung zuständig war.16) Hinzu kamen auch die lokalen Vertreter des „Zentralkomitees der Polnischen Juden“ und des American Jewish Joint Distribution Committee (Joint),17) welche sich bemühten, die neu eingetroffenen Juden materiell und sozial zu unterstützen.18)
Die räumlichen Verhältnisse, mit denen die Neuankömmlinge konfrontiert wurden, waren äußerst beschränkt. Oft musste sich eine Familie mit einem einzigen Zimmer begnügen19) und nicht wenige Unterkünfte waren durch Kriegseinwirkung oder Plünderungen stark in Mitleidenschaft gezogen. So kam es vor, dass die Menschen in feuchten Kellern oder Verschlägen wohnen mussten, da die besseren Unterkünfte bereits von den kurz nach Kriegsende in die Stadt gekommenen Polen in Besitz genommen worden waren. Hinzu kam, dass mit über 30.000 Personen im Juni 1946 mehr als doppelt so viele Juden in der Stadt angesiedelt wurden, wie ursprünglich geplant war.20)
Gerade in der kalten Jahreszeit beklagten sich die Neuankömmlinge über den Mangel an warmer Kleidung und Schuhen. Notgedrungen mussten viele Kinder – auch bei Minusgraden – barfuß in die Schule gehen. Besonders negativ wirkte sich zudem die schlechte Versorgungslage aus, sodass Mangelernährung und Krankheiten wie Typhus und Tuberkulose – besonders unter Kindern – weit verbreitet waren.21)
Angesiedelt wurden die jüdischen Neuankömmlinge vor allem im Stettiner Stadtteil Niebuszewo, dem bis dato Deutschen Schutzbezirk Zabelsdorf, wo man zuvor auch schon die in der Stadt verbliebene deutsche Bevölkerung konzentriert hatte. Juden lebten aber auch in den angrenzenden Stadtteilen ZŽelechowa (Züllchow) und Gole¸cino (Frauendorf), Stolczyn (Stolzenhagen) und Szczecin-Gumience (Stettin-Scheune).22) Die Aussiedlung der in Stettin verbliebenen Deutschen erfolgte ab Februar 194623) in etwa zeitgleich mit dem Eintreffen der ersten Transporte mit polnischen Juden aus der UdSSR. So gab es in Niebuszewo (Zabelsdorf) über mehrere Monate hinweg ein Zusammenleben zwischen dem immer kleiner werdenden Anteil an deutscher Bevölkerung und einer immer größer werdenden Zahl von Juden. Zum Teil wohnten in dieser Zeit Juden und Deutsche unter einem Dach und es sind mehrere Fälle bekannt, in denen Deutsche bei Juden arbeiteten. In der zweiten Jahreshälfte 1946 hatte Niebuszewo (Zabelsdorf) einen stark jüdischen Charakter angenommen. Es gab nun jüdische Geschäfte und auf der Straße war meist Jiddisch zu hören. Der Stadtteil wurde daher von den Polen im Volksmund „Lejbuszewo“ genannt, in Anlehnung an den damals häufig vorkommenden jüdischen Vornamen Lejb.24)
Bedingt durch die Erfahrungen der Shoa begann sich die Überzeugung durchzusetzen, dass die Juden einen eigenen Staat in Palästina brauchten, der einerseits zu einer neuen Heimstatt für das jüdische Volk werden sollte, andererseits aber auch zum Fürsprecher für die in der Diaspora gebliebenen Juden. Eine dritte Gruppe innerhalb der jüdischen Nachkriegsbevölkerung bildeten schließlich die polnischsprachigen und weitgehend assimilierten Juden, die sich als Teil der polnischen Nation fühlten. Jedoch verstärkten die zunehmenden Anfeindungen von radikalen Polen auch bei dieser Gruppe die Verbundenheit mit den jüdischen Wurzeln und die Bereitschaft auszuwandern.25)
Von den 30.878 beim Jüdischen Komitee registrierten Personen, welche im ersten Halbjahr 1946 in Stettin eintrafen, gaben 11.891 an, keinen Beruf zu haben, 8.968 waren Handwerker. Dazu kamen 3.698 Schüler und Studenten sowie 1.457 Industriearbeiter. Viele der Repatrianten waren schlichtweg arbeitsunfähig. In einem Bericht der jüdischen Zeitung Dos Naje Lebn von 1945 heißt es dazu: „Der überwiegende Teil der Juden, die der Vernichtung entgangen waren, (war) nicht dazu imstande, irgendeine Arbeit aufzunehmen. Ärztliche Untersuchungen belegten, dass jeder dritte Überlebende an Tuberkulose litt und intensiver und langwieriger Behandlung bedurfte. Bei vielen wurde eine fortschreitende Lähmung von Armen und Beinen festgestellt.“26)
Die jüdische Bevölkerung in den Arbeitsprozess einzugliedern, bereitete erhebliche Schwierigkeiten, da viele von ihnen vor dem Krieg als Händler und Gewerbetreibende tätig gewesen oder anderen Berufen nachgegangen waren, für die sie auf dem Arbeitsmarkt nicht vermittelbar waren.27) Ein Teil der Stettiner Juden beabsichtigte jedoch ohnehin zu emigrieren, sodass sich solche Personen während des nur wenige Wochen dauernden Aufenthalts in Stettin zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts komplett auf die Unterstützung des Joints verließen.28) Unter dem Stichwort der „Produktivierung“ sollten die arbeitsfähigen Juden wieder in den Wirtschaftsprozess eingegliedert und soweit nötig auch auf ihnen bisher fremden Berufsgebieten tätig werden. Da es in Stettin aufgrund der Kriegszerstörungen zunächst kaum Industrie gab, welche Arbeitskräfte hätte aufnehmen können, musste die Eingliederung auf andere Art und Weise vonstattengehen. In den Statuten des „Zentralkomitees der Polnischen Juden“ heißt es bezüglich der Produktivierung, sie umfasse Maßnahmen zur „Schaffung eines Netzes von Kursen und Berufsschulen, der Gründung und Unterstützung von Produktions- und Arbeitsgenossenschaften.“29)
Metallbearbeitung an einer jüdischen ORT-Schule – hier im Displaced Persons-Lager in Feldafing, Mai 1948
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
Schon bald richtete die Gesellschaft ORT30) in Stettin eine jüdische Berufsschule ein, welche auch älteren Personen Umschulungen anbot. Daneben entstanden zahlreiche jüdische Genossenschaften, die im handwerklichen Bereich und im produzierenden Gewerbe tätig waren. Sie kamen somit auch der traditionellen Berufsstruktur der jüdischen Bevölkerung entgegen und ihre Entstehung war mit einem relativ geringen finanziellen Aufwand zu bewerkstelligen. Die Genossenschaften waren zumeist auf einen handwerklichen Bereich spezialisiert und bestanden bei ihrer Gründung oft nur aus etwa einem Dutzend Mitglieder, wobei sich ihre Zahl im Laufe der vierziger Jahre meist auf mehrere Dutzend erhöhte.31)
Dabei lieferten gerade die im Baugewerbe tätigen Genossenschaften einen wichtigen Beitrag zum Wiederaufbau der zerstörten Stadt.
Ein besonderes Kuriosum bildete dabei die Gründung der jüdisch-polnischen Fischereigenossenschaft Rybak Szczecin´ski („Der Stettiner Fischer“). Mit ihr erhoffte man sich neue Beschäftigungsmöglichkeiten und eine Verbesserung des Zusammenlebens von Polen und Juden. Da die verbliebenen deutschen Fischer am Stettiner Haff für die Rote Armee arbeiten mussten, blieb Fisch für die Stettiner Bevölkerung eine zunächst unerschlossene Nahrungsquel-le.32) Um diese nutzbar zu machen, sollten nun die neu angesiedelten Juden in die Bresche springen. Ohnehin herrschte zu jener Zeit in Polen ein großer Mangel an maritimemPersonal, da sich die polnische Ostseeküste als Folge des Potsdamer Abkommens ungemein verlängert hatte. Trotz der großen Hoffnungen, die in dieses Projekt gesteckt wurden, scheiterte die Fischereigenossenschaft nach einigen Monaten an der Misswirtschaft ihrer Mitglieder. Zudem kam bereits früh der Verdacht auf, sie verhelfe mit ihren Booten anderen Juden zur illegalen Flucht in den Westen, weshalb ihr eine weitere Unterstützung durch das Jüdische Komitee der Polnischen Juden versagt wurde.33)
Auch gründete man im Gebiet um Stettin mehrere landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften, die Juden beschäftigten. Jedoch war auch diesen kein dauerhafter Erfolg beschieden. Neben mangelnder Ausstattung fehlte es den Mitgliedern an landwirtschaftlichen Kenntnissen, hinzu kam in den Jahren 1946/47 eine Dürreperiode, sodass der Betrieb schließlich eingestellt werden musste.34)
Die Idee der „Produktivierung“ führte aus Sicht der Kommunisten nicht zum erhofften Erfolg. Der Hauptgrund war die stetige Emigration von Juden aus dem Stetti-ner Gebiet, so dass die Schaffung von dauerhaften Strukturen misslang.35)
Teilnehmer am Hebräischunterricht der Talmudschule im Displaced-Persons-Lager in Bad Windsheim, Juni 1947
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
Die zionistischen Parteien und Organisationen unterstützten ebenfalls Maßnahmen zur Produktivierung, allerdings im Sinne einer Vorbereitung auf die Emigration nach Palästina. Im Fokus standen dabei vor allem Kinder und Jugendliche, die in Kibbuzim ausgebildet und betreut wurden und dabei wie in Internaten zusammenlebten. Die Skala der vertretenen Weltanschauung bei diesen zionistischen Einrichtungen umschloss daher je nach Gruppierung marxistisch-leninistische, sozialistische wie auch jüdisch-nationale und religiöse Leitbilder.36) Oftmals wurden Kinder von ihren Eltern in eine solche Einrichtung gebracht, da sie sich dort eine gute Betreuung erhofften und froh waren, bei den ohnehin harten Lebensbedingungen von der Versorgung ihrer Kinder entlastet zu werden. Oft schlossen sich Jugendliche auch aus eigenem Willen einem Kibbuz an, wenn sie durch die Shoa ihre Familien verloren hatten. Vielen war jedoch nicht immer genau bewusst, wofür die dahinter stehende Organisation stand, viel wichtiger war ihnen, dass sie ein Dach über dem Kopf hatten.37) Bei den Kibbuzim handelte es sich in der Regel um größere Gebäude in der Stadt, welche über eigene Unterrichtsräume, Werkstätten und zum Teil auch Läden für die dort produzierten Waren verfügten. Hinzu kam eine paramilitärische Ausbildung38) durch Angehörige der Hagana39) und das Erlernen von Nahkampftechniken. Diese wurde in DP-Camps in Deutschland40) und Italien41) fortgeführt, um die Kibbuzniks nach ihrer Ankunft in Palästina sogleich als Soldaten einsetzen zu können. Insgesamt dürften ab 1946 mehr als 5.000 Kinder und Jugendliche die sechs oder sieben Kibbuzim in Stettin durchlaufen haben, bevor diese im Jahr 1947 größtenteils aufgelöst wurden.42)
Fast die Hälfte des Budgets wurde für die soziale Fürsorge benötigt,44) die beispielsweise auch kostenlose Schulspeisungen und Volksküchen umfasste. Daneben wurden aber auch Pflegeheime, Kinderheime und Kindergärten sowie Nachtasyle und Hygienestationen betreut.45) Der Haushalt speiste sich zunächst vor allem aus öffentlichen Mitteln, die dem CKŽP aus dem Staatshaushalt zugewiesen wurden und aus Geldern von ausländischen Institutionen. Eine große Verbesserung der finanziellen Lage des CKŽP ergab sich, nachdem der Joint im Juli 1945 seine Vertretung in Polen eröffnete und von nun an eine dauerhafte finanzielle Unterstützung gewährleistet war.46)
Jüdische Displaced Persons auf dem Münchener Hauptbahnhof
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
Im gesellschaftlichen Leben der jüdischen Bevölkerung und somit auch im Stettiner Jüdischen Komitee spielten mehrere politische Organisationen eine Rolle, welche vielfach an Traditionen von vor 1939 anknüpften. Eine davon war der sozialistisch und antizionistisch ausgerichtete Bund, der für national-kulturelle Autonomie der Juden innerhalb der polnischen Gesellschaft und die Bewahrung der jiddischen Sprache eintrat.47)
Daneben gab es die jüdische Fraktion der Polnischen Arbeiterpartei48) (Polska Partia Robotnicza, PPR), die als verlängerter Arm der Zentrale innerhalb der jüdischen Gesellschaft wirken sollte. Zudem gab es eine Reihe von zionistischen Parteien, die die Idee, in Palästina eine neue Heimstatt der Juden zu begründen, mit unterschiedlichen Positionen verknüpften. Dies waren zum einen die meist unabhängig voneinander agierenden Flügel der linksgerichteten Partei Poale-Zion (Arbeiter Zions), von denen der eine eher gemäßigt, der andere radikal war, des Weiteren die marxistisch-leninistische Haschomer Hatzair (Der junge Wächter), die sozialistisch-zionistische Hitachdut (Vereinigung) sowie die zionistisch-demokratisch ausgerichtete Ichud (Einheit). Daneben existierte noch die orthodox-religiöse Misrachi-Partei (Geistiges Zentrum) und die ebenfalls religiös orientierte Agudas Jisroel (Gemeinschaft Israels), welche jedoch keine offizielle Zulassung erhalten hatte und daher nicht im Jüdischen Komitee vertreten war.49)
Die jüdischen Parteien in Stettin waren nicht sonderlich groß, jedoch war immerhin ein Viertel aller Stettiner Juden in einer Partei Mitglied. Die meisten Mitglieder (Stand 1948) hatte die jüdische Fraktion der PPR mit 700 Aktivisten, gefolgt von Poale-Zion mit 380, Hitachdut 176, Haschomer Hatzair ebenso wie Ichud mit 150, der Bund 75 und Misrachi 65.50)
Ende der vierziger Jahre kam es infolge der Stalinisierung Polens zur Gleichschaltung des politischen Lebens, welches von nun an maßgeblich auf die PPR ausgerichtet war. Dies bedeutete auch das Ende der jüdischen Parteien und der jüdischen Selbstverwaltung. Das Zentralkomitee (CKŽP) und seine Unterabteilungen wurden 1950 in die „Sozial-kulturelle Gesellschaft der Juden“ (Towarzystwo Spolecyno-Kulturalne Žydów, TSKZ) umgewandelt, dem alle jüdischen Kultur-, Erziehungs- und Betreuungseinrichtungen unterstellt wurden. Die TSKZZ hatte eher kulturellen Charakter, sollte aber als verlängerter Arm der Kommunisten in der jüdischen Gemeinschaft wirken. Jedoch traten von den 2077 Juden, die Anfang der fünfziger Jahre noch in Stettin lebten, nur etwa 400 der lokalen TSKZ bei. Zu groß waren bei vielen die Vorbehalte gegenüber dieser den Kommunisten nahestehenden Organisation.51)
Die jüdische Bevölkerung Stettins gründete im Laufe des Jahres 1946 zahlreiche Vereine. So gab es einen eigenen Sportverein, eine kulturelle Gesellschaft, eine Religionsgemeinde, aber auch jüdische Landsmannschaften, in denen sich Juden nach ihrer jeweiligen Herkunft organisierten.
Jedoch wurde der ŽKS, wie viele andere jüdische Organisationen auch, zu Beginn des Jahres 1950, in etwa zeitgleich mit dem WKŽP, aufgelöst.54) Hierfür dürften ideologische Gründe ausschlaggebend gewesen sein, standen doch die jüdischen Sportvereine in ideologischer Hinsicht den Zionisten nahe.55)
Innerhalb der jüdischen Gesellschaft Polens gab es eine vielfältige Presselandschaft und sogar für einige Zeit von CKŽP und WKŽP betriebene jiddischsprachige Radioprogramme.
Die Zeitungen standen in der Regel bestimmten politischen Institutionen nahe. So gab die PPR die Folks-Sztyme (Die Stimme des Volkes) heraus und Haschomer Hatzair die Mosty (Brücken). Poale-Zion publizierte neben Nasze Slowo (Unser Wort) und Przelom auch die Arbeitercajtung und wurde somit den verschiedenen Strömungen und Muttersprachlern innerhalb der Bewegung gerecht.
Daneben gab es auch noch die Befrajung, die Zeitung der Hitachdut sowie die zum Bund gehörigen Blätter Glos Bundu („Die Stimme des Bundes“) und die Folks-caj-tung. Eine weitere jüdische Zeitung war die Opinia („Die Meinung“), die der zionistischen Bewegung im Allgemeinen nahe stand, jedoch nicht auf eine einzelne Partei fixiert war. Daneben gaben auch das CKŽP mit dem jiddischen Blatt Dos Naje Leben und das WKŽP mit dem polnischsprachigen Tygodnik Informacyjny („Wochenblatt“) eine eigene Zeitung heraus.56)
Der Tygodnik erschien erstmalig am 10. Juli 1946 und wurde in einer Auflage von 2.000 bis 3.000 Exemplaren gedruckt. Generell lässt sich sagen, dass die Zeitung für ein Bleiben der Juden in Polen und in der neuen politischen Umgebung warb. Aufgrund der Verkleinerung des WKŽP und dem Mangel an Papier wurde die Zeitung jedoch bereits in der ersten Jahreshälfte 1947 wieder eingestellt.57)
Mit der fortschreitenden Stalinisierung in Polen setzte sich zumindest beim Najen Leben eine Einstellung auf die vorgegebene Linie der Berichterstattung durch.58) Mit dem Verschwinden der jüdischen Parteien und Komitees endete auch die Herausgabe ihrer Zeitungen.
Zwar war es in Polen auch schon vor dem Krieg immer wieder zu antijüdischen Ausschreitungen und Diskriminierungen gekommen, jedoch erreichte der Antisemitismus nach Kriegsende eine neue Dimension. Dessen Auswirkungen wurde durch die antijüdische Propaganda der deutschen Besatzer, die kriegsbedingte Verrohung der Menschen und die leichte Verfügbarkeit von Waffen sowie das anfängliche Fehlen einer durchsetzungsfähigen staatlichen Gewalt noch verstärkt.59)
„Das polnische Volk“, so schilderte ein Überlebender des Holocaust die Situation, „ist mit der Droge des Hasses vergiftet worden und die Leute wollen uns nicht […] auf den Straßen, an Treffpunkten, in den Straßenbahnen, in den Zügen, überall schauen sie, wenn sie uns nicht schlagen, mit Augen voller Hass, Verachtung [und] giftigem Spott auf uns.“60)
Bereits im September 1944 heißt es in einem Bericht über die Lage in den von der Roten Armee befreiten Gebieten, dass „die Juden in den Provinzen mit wenigen Ausnahmen in ständiger Angst leben; die periodisch wiederkehrenden Zwischenfälle, bei denen Juden getötet wurden, selbst nachdem die Deutschen weg waren, bringen die jüdischen Überlebenden an den Rand der Verzweiflung, und eine relativ große Anzahl von ihnen fürchtet sich, aus den Verstecken zu kommen.“61)
Die Motive hierfür waren vielschichtig. So bekamen gerade bei der konservativen katholischen Landbevölkerung die alten Ressentiments gegenüber den Juden als Christus- und Kindsmörder wieder neuen Auftrieb. Eine darauf basierende, allerdings erfundene Geschichte war beim Pogrom von Kielce im Juli 1946 der Auslöser, in dessen Verlauf 42 Juden ermordet wurden. Dieses Ereignis löste unter den Juden im ganzen Land eine panikartige Fluchtwelle aus. Vielen wurde nun schlagartig klar, dass ein Neubeginn jüdischen Lebens in Polen nicht mehr möglich war.62)
Nach der Deportation der jüdischen Bevölkerung durch die Deutschen war deren Besitz von Polen übernommen worden, die davon ausgingen, ihre jüdischen Nachbarn seien ermordet worden. Als diese dann wider Erwarten nach Kriegsende zu ihren Häusern zurückkehrten, wurden nicht wenige von ihnen von den neuen Besitzern getötet oder zumindest mit dem Tode bedroht.63)
Vielfach wurde auch aus reiner Willkür gemordet, wofür der hohe Anteil an getöteten Frauen und Kindern spricht. So waren von 30 Angriffen auf Juden im Zeitraum von März bis August 1945 14 rassistisch motiviert, elf waren Raubüberfälle und die übrigen fünf standen in Zusammenhang mit der Rückforderung von Eigentum.64)
Ab der Jahresmitte 1946 fokussierten sich dann die antisemitischen Anfeindungen auf die vermeintliche Verknüpfung der Juden mit dem Kommunismus.65) Jedoch ba-sierten diese Vorurteile auch auf Beobachtungen, die nur scheinbar der Realität zu entsprechen schienen. So gab es zwar einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Juden in Führungspositionen in der öffentlichen Verwaltung, dem Sicherheitsdienst (Urzad Bezpieczenstwa, UB) und der Polnischen Arbeiterpartei (PPR). Dort waren von den etwa 50 Führungspositionen im Sicherheitsapparat in den Jahren 1944 bis 1956 durchschnittlich 29 Prozent mit Juden besetzt. Jedoch war ihre Zahl in den unteren Abteilungen sehr viel geringer und entsprach keinesfalls einer Überrepräsentation.66) Zudem muss man beachten, dass es sich bei den Führungskräften um überzeugte Kommunisten handelte, welche sich längst von ihren jüdischen Wurzeln entfernt hatten und daher auch nicht für die jüdische Bevölkerung eintraten.67)
Der hohe Anteil an jüdischstämmigen Funktionären in diesen Positionen führte aber dazu, dass sie von der polnischen Bevölkerung pauschal mit der sowjetischen Fremdherrschaft identifiziert wurden. In Wirklichkeit aber dürfte die große Mehrheit der Juden den Sowjets distanziert gegenüber gestanden haben, behielten doch viele die schlechte Behandlung, die sie durch die Sowjets erfahren hatten, noch in deutlicher Erinnerung. Auch hinsichtlich des Wahlverhaltens lässt sich keine Präferenz der Juden für die Kommunistische Arbeiterpartei (PPR) feststellen.68) Die Sympathien für die Kommunisten waren innerhalb der beiden Bevölkerungsgruppen in etwa gleich vertreten. Unter den Polen waren 4,4 Prozent der Bevölkerung Mitglied in der PPR, bei den Juden waren es mit 4,5 Prozent nur geringfügig mehr.69)
Die Bereitschaft, bei antisemitischen Straftaten einzuschreiten und die Täter zu bestrafen, war bei den polnischen Behörden zunächst nicht sonderlich ausgeprägt, da sie dem Vorurteil entgegenwirken wollten, man sei von den Juden manipuliert. Gleichzeitig schlachtete man die anti-jüdischen Ausschreitungen aus, um sie als politische Waffe gegen die Exilregierung in London und die „reaktionäre“ Opposition zu verwenden, die angeblich solche Verbrechen angezettelt habe.71)
Auch in Stettin kam es immer wieder vor, dass Juden von Unbekannten ermordet wurden oder Raubmorden zum Opfer fielen.72) Im Juni 1946 kam es zu einer antisemitisch motivierten Schlägerei auf dem Stettiner Basar,73) welche jedoch durch das entschiedene Eingreifen der Miliz und der Behörden unterbunden werden konnte.74)
Von Ausschreitungen betroffen war auch die jüdische Perez-Schule, wo immer wieder am helllichten Tag Fenster eingeworfen wurden, was eine nicht unerhebliche Gefahr für Schüler und Lehrer darstellte.75) Die massive antijüdische Stimmung in Stettin erstreckte sich auf alle Bevölkerungsschichten, auch auf Kinder und Jugendliche.76) So gaben bei einer im Frühjahr 1947 durchgeführten Umfrage an Stettiner Schulen ungefähr 50 Prozent der Schüler auf die Frage: „Möchtest du ein jüdisches Kind kennen lernen und ihm ein guter Freund sein?“ eine ablehnende Antwort.77) Die Behörden bemühten sich zwischen jüdischen und nichtjüdischen Kindern und Jugendlichen für Toleranz zu sorgen, indem sie Veranstaltungen organisierten, die dem Kennenlernen beider Gruppen dienen sollten. Zudem wurden auch über verschiedene Organisationen, wie etwa jüdische bzw. jüdisch-polnische Arbeitsgenossenschaften gemeinsame kulturelle Veranstaltungen organisiert, die der gegenseitigen Akzeptanz dienen sollten.78)
Jedoch sind auch nicht alle an Juden begangenen Verbrechen auf einen antisemitischen Hintergrund zurückzuführen, Stettin und seine Umgebung galten in der direkten Nachkriegszeit in Polen als „Wilder Westen“ und die Stadt stand als „Sorgenkind“ in den Berichten des Innenministeriums zur Gefahrenlage immer an erster Stelle. Überfälle und Schießereien zwischen kriminellen Banden und der Miliz waren ein alltägliches Phänomen.79) Hinzu kamen auch die ständigen Übergriffe und Raubüberfälle durch Soldaten der Roten Armee, unter denen auch die nichtjüdischen Polen zu leiden hatten. Allein für den Monat Februar 1946, noch vor Ankunft des Großteils der jüdischen Repatrianten, wurden in Stettin 38 Personen ermordet, davon allein 23 durch sowjetische Soldaten.80)
Ab dem Jahr 1947 stabilisierten sich offenbar die Zustände in Stettin. So schrieb die Zeitung im März desselben Jahres: „Das Bild hat sich vollkommen geändert. Die Trümmer sind zwar noch da und werden noch lange bleiben, aber die Atmosphäre der Stadt ist eine andere. Der Schrecken und die Unsicherheit sind verschwunden. Es strömen nicht mehr allerlei verdächtige Elemente nach Stettin, die Bevölkerung wird allmählich solide und passt sich in den gesetzlichen Normen an. Zu dieser Stimmung hat die Polizeiverwaltung besonders viel beigetragen, ebenso die Gerichtsorgane.“84)
Tatsächlich setzte man nun von staatlicher Seite auf harte Gerichtsurteile gegen antisemitisch motivierte Straftaten, wie sich bereits nach dem Pogrom von Kielce gezeigt hatte. Sie bildeten jedoch eher ein Exempel zur Warnung der Bevölkerung, als dass sie einer wirklichen Aufklärung der Hintergründe dienten. So wurden nur wenige Tage nach dem dortigen Pogrom neun willkürlich herausgegriffene Täter zum Tode und drei weitere zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Verstrickung staatlicher Organe in das Verbrechen wurde nicht weiter untersucht.85)
In Stettin bemühte man sich offenbar, antisemitische Straftaten in ähnlich abschreckender Weise zu verurteilen. Ein Mann, so berichtete Dos Naje Lebn, „bekam sechs Jahre Kerker, weil er einen Juden „Ty Žydzie!“ („Du Jude!“) zugerufen hatte. Das Gericht stellte fest, dass er den Juden damit beleidigen wollte.“86) Der Bericht der jüdischen Zeitung über die Lage in der Stadt schloss zufrieden: „Man atmet jetzt freier in Stettin, schließt sich nicht mehr in den Wohnungen [ein], man macht Besuche, geht zu Vorstellungen.“87)
Die scharfe Verurteilung antisemitischer Vergehen führte in den fünfziger Jahren zu einer Atmosphäre des Generalverdachts gegenüber all denjenigen, die das Wort Juden zu unvorsichtig verwendeten. So genügte allein schon die öffentliche Äußerung, dass jemand Jude sei, um ihn des Antisemitismus verdächtig zu machen.88) Die strenge Sittenkontrolle jener Zeit unterdrückte die Ressentiments in der Bevölkerung jedoch nur, ohne sie wirklich aus den Köpfen zu bekommen. Die weiterhin vorhandenen Animositäten gegenüber den Juden, die man diese bei passender Gelegenheit auch spüren ließ, waren mit einer der Gründe für die Auswanderungswelle der Jahre 1956/57.89)
Die Emigration der Juden begann bereits im Moment der Zurückdrängung der deutschen Wehrmacht aus Polen. Da Visa aus dem Ausland nur in äußerst geringem Umfang vergeben wurden, nutzten die Ausreisewilligen alle sich bietenden Möglichkeiten, um illegal auszuwandern.
Mutter mit Kind im jüdischen Displaced Persons-Lager Föhrenwald bei Wolfratshausen, 1946
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
Sie wurde von der 1944 gegründeten Fluchthilfeorganisation Brichah („Flucht“) organisiert, welche die jüdischen Flüchtlingsströme auf unterschiedlichen Routen aus Polen und dem übrigen Osteuropa nach Palästina leitete.90) In Stettin setzte die jüdische Emigration bereits im Sommer 1945 ein, genährt von der Angst vor weiteren Verfolgungen. Da sich die Organisationsstruktur der Brichah noch im Aufbau befand, konnte sie die Flucht über Stettin erst ab August 1946 aktiv unterstützen.
So erfolgte der illegale Grenzübertritt zunächst einzeln oder in Kleingruppen, welche von professionellen Schleppern geführt wurden. In der zweiten Jahreshälfte 1945 überquerten so 10.000 bis 30.000 Juden die Grenze nach Deutschland, um sich dann weiter nach Berlin in die Sektoren der westlichen Besatzungsmächte zu begeben.91) Eine Vorstellung von dieser privat organisierten Emigration vermitteln die Erinnerungen von Ursula Jühnke, die sich bis Januar 1946 in Stettin aufhielt: „Während dieser Zeit erfuhr ich von einer jungen deutschen Frau, die für diese Polen in der Wohnung (3. Etage) kochte, wie dort die Zustände waren. Diese Polen waren Juden und trieben oben in der Wohnung einen schwunghaften Handel mit polnischen Juden, die aus Russland kamen und illegal meistens mit einem russischen Postauto weiter über die Grenze gebracht wurden, um dann in den Westen oder nach Israel zu gelangen. Dabei müssen sich auch Russen beteiligt haben. Diese Menschen bezahlten mit Rubel, Zlotys, Lederwaren oder Schmuck. Fast jede Nacht schliefen dort auf dem Fußboden einige Juden, die auf den Abtransport warteten.92)
Ein Teil der illegalen Flüchtlingstransporte wurde mit Lastwägen durchgeführt, die als russische Militärfahrzeuge getarnt zwischen Stettin und Berlin pendelten. In Ostberlin angekommen, begaben sich die Flüchtlinge dann zu Fuß oder mit der U-Bahn in den Westteil der Stadt.95) Ihr Ziel war zumeist das im amerikanischen Sektor gelegene DP-Lager Düppel-Center, das an der Potsdamer Chaussee in Zehlendorf lag und von wo aus die Menschen in der US-Besatzungszone verteilt wurden.96) Unterwegs mussten oft mehrere Kontrollpunkte passiert und die dort stationierten Soldaten bestochen werden. Es kam jedoch immer wieder vor, dass die dort diensthabenden Soldaten durch andere Einheiten ersetzt wurden. In solchen Fällen versuchten die Fahrer der Brichah dann die Sperren mit Vollgas zu durchbrechen.97)
Geschickt bemühte sich die Brichah, auch andere Transportwege für die Flüchtlinge nutzbar zu machen. So gab es im Frühjahr 1946 mehrere Eisenbahntransporte mit deutschen Vertriebenen von Stettin nach Lübeck in die britische Besatzungszone. Diese Transporte wurden vom Repatriierungsamt (Pan´stwowy Urza??d Repatriacyjny, PUR) sowie dem Amt für Öffentliche Sicherheit (Urza??d Bezpieczen´stwa Publicznego, UB) in Zusammenarbeit mit den Briten durchgeführt.98) Die Aktivisten der Brichah sahen nun die Möglichkeit, mit Hilfe der Vertriebenentransporte eine möglichst große Zahl von polnischen Juden in die britische Besatzungszone zu befördern.99)
Von der Brichah erhielten sie gefälschte Dokumente, die sie als deutsche Juden auswiesen, und ein entsprechendes Alibi bezüglich ihrer Herkunft. Sie seien auf dem Weg aus den Konzentrationslagern nach Deutschland, um dort ihren Besitz zurückzufordern, der ihnen von den Nationalsozialisten weggenommen worden sei. Um den Schein zu waren, durften sie nicht polnisch oder jiddisch miteinander sprechen. Jede Gruppe wurde zudem von einem „Ältesten“ begleitet, der gut Deutsch sprach und die Gruppe nach außen hin vertrat. Zusammen mit den gefälschten Dokumenten erhielten sie auch neue Namen und Heimatorte, in die sie – wie sie vorgaben – zurückkehren wollten.100)
Die Leute der Brichah stellten sich daraufhin bei der ahnungslosen PUR als Vertreter des Jüdischen Komitees vor und machten den Mitarbeitern glaubhaft, dass sie im Namen der deutschen Juden in Stettin kämen. Sie baten, dass man ihnen entsprechende Plätze in den Vertriebenenzügen bereitstellen sollte, damit sie in ihre Heimat zurückkehren könnten. Die PUR, zuständig für die Ausweisung der Deutschen und die Ansiedlung der Neusiedler,101) gab dem Gesuch statt und so wurden Ende Juli 1946 die „deutschen“ Juden zusammen mit vertriebenen Stettinern in die britische Besatzungszone abtransportiert.
In einem Eisenbahntransport für 1.500 deutsche Vertriebene fuhren in der Regel 100 bis 200, zum Teil auch 500 oder mehr polnische Juden mit. Bis zur Unterbindung dieses Fluchtwegs Anfang Dezember 1946 wurden auf diese Art und Weise 8.000 bis 10.000 Juden in die britische Besatzungszone transportiert.102) Die Flüchtlinge wurden daraufhin zu den Brichah Stützpunkten in Hannover und Bergen-Belsen (wo ebenfalls ein DP-Camp eingerichtet worden war) gebracht und dann von den Aktivisten in die DP-Camps der amerikanischen Besatzungszone rund um München weitergeleitet.103)
Zwar wurden die meisten der jüdischen Flüchtlinge auf dem Landweg und per Eisenbahn nach Westen transportiert, jedoch emigrierte ein kleiner Teil von ihnen auch über das Meer. Zu diesem Zweck benutzte die Brichah die Boote deutscher Fischer in Police (Pölitz) und Nowy Warpno (Neuwarp). Vermutlich spielte auch die jüdische Fischereigenossenschaft Rybak Szczecin´ski eine Rolle beim Transport der Flüchtlinge. Jedoch blieb die Zahl derer, die auf diesem Weg in den Westen emigrierten, weit hinter der auf dem Landweg zurück.104)
Die kommunistisch geführte Regierung gewährte jüdischen Bürgern Polens die „stille“ Genehmigung, die Staatsgrenze zu überschreiten. Der Übertritt musste aber nach dem Willen der Sowjets von Niederschlesien aus in die Tschechoslowakei erfolgen und war auf den Abschnitt Kudowa Zdrój (Bad Kudowa) und Mieroszów (Friedland) südlich von Walbrzych (Waldenburg) beschränkt. Die Erlaubnis zum Grenzübertritt war zudem auch zeitlich begrenzt und zwar vom 30. Juli 1946 bis zum 22. April 1947. In diesem Zeitraum verließen etwa 70.000 bis 80.000 Juden über diesen Korridor das Land, darunter auch ein Großteil der Juden Niederschlesiens.106) Vermutlich gab es auch eine ähnliche Regelung für die Grenze um Stettin, wofür zumindest die Reduzierung der dortigen jüdischen Bevölkerung von ca. 30.000 auf 10.000 spricht.107)
Allmählich änderten sich die Motive für die Flucht. War in den Jahren 1945–1947 zunächst für viele die Erfahrung von Feindseligkeit von Seiten der Polen der Grund für die Emigration gewesen, gewannen für die jüdische Bevölkerung nun wirtschaftliche und politische Gründe für das Verlassen des Landes an Bedeutung. Jedoch erfreute sich der Grenzübertritt im Gebiet von Stettin nach wie vor großer Beliebtheit. Die jüdische Gemeinschaft vor Ort bot den Flüchtlingen durch Unterkünfte und bestehende zionistische Strukturen nach wie vor ein ideales Sprungbrett für die Flucht. Dies ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt in einer Gesellschaft, die einer immer massiveren Kontrolle durch den kommunistischen Sicherheitsapparat unterworfen war. Die illegale Emigration ging jedoch nach der Gründung des Staates Israel im Mai 1948 stark zurück, da es nun auch auf legalem Weg möglich war, das Land zu verlassen. Dies verdeutlicht auch ein Blick auf die Zahl der Festnahmen. So wurden im Zeitraum von März bis Mai 1948 noch 51 jüdische Personen beim illegalen Grenzübertritt festgenommen, während die Zahl in den darauf folgenden Monaten auf einen niedrigen einstelligen Wert sank.108) Nach jüdischen Quellen haben in den Jahren 1948 bis 1950 42.000 Juden Polen über die deutsch-polnische Grenze bei Stettin verlassen, was etwa 30 Prozent aller jüdischen Emigranten waren, die in dieser Zeit aus Polen auswanderten. Dabei wurden gerade einmal 543 (1,2 Prozent) von den Grenztruppen aufgegriffen.109)
Die Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948 hatte weitreichende Auswirkungen auf die jüdische Diaspora in Osteuropa. Diese waren für die Ausreisewilligen zunächst positiv, so erleichterte beispielsweise die Eröffnung der israelischen Botschaft in Warschau die Ausreise. Jedoch vollzog die Sowjetunion ab der zweiten Jahreshälfte 1948 in ihrer Nahostpolitik eine massive Kehrtwende. Hatten die Kommunisten zunächst die Zionisten in der Hoffnung unterstützt, dass der jüdische Staat ein sozialistisches Bruderland werden würde, stellten sie sich nun auf die Seite der Araber, nachdem Israel in den Einflussbereich der USA gerückt war.110) Die Erlaubnis zur Ausreise wurde schließlich wieder erschwert, was unter der verbliebenen jüdischen Bevölkerung große Ängste schürte. Man befürchtete – zu Recht – die Aufhebung der jüdischen Selbstverwaltung und Organisationen. Zudem machten sich nun immer stärker die politischen Gleichschaltungsbestrebungen der Kommunisten bemerkbar, sodass die zionistischen Organisationen weiter unter Druck gerieten. Um deren Organisationsstruktur „auszutrocknen“, wurde 40.000 zionistisch gesinnten Juden die Ausreise gestattet. In Stettin ließen sich vom 1. Oktober 1949 bis 31. September 1950 2.181 von etwa 7.000 Einwohnern für die Ausreise registrieren,111) 10 Prozent davon waren Mitglied der Vereinigten Arbeiter-partei.112) Auch war der Anteil der Genossenschaftsmitglieder recht hoch. Deren Organisationen bekamen dadurch erhebliche Probleme, sie beklagten, dass „die am besten qualifizierten Mitglieder die Genossenschaft verlassen, um nach Israel zu gehen“. Dies könne zur Folge haben, dass „ein Großteil der Geringqualifizierten entlassen werden [muss]“.113) Ab dem Jahr 1951, als nochmals eine Frist für Nachzügler zur Ausreise eingerichtet worden war, gab es zunächst keine Möglichkeit mehr zu emigrieren.114)
Bei der letzten Volkszählung 1951 wurden noch 2.077 jüdische Einwohner in Stettin registriert. Ihre Zahl sollte sich aber aufgrund der wieder einsetzenden Emigration als Folge der „antizionistischen“ Kampagnen in den Jahren 1956 und 1968 weiter reduzieren.115)
Bis August 1945 brachte die Brichah das Gros der Flüchtlinge über Deutschland nach Italien, von wo aus dann die Weiterfahrt nach Palästina mit dem Schiff erfolgte. Jedoch wurden die italienischen Behörden den Problemen bei der Versorgung der jüdischen Displaced Persons (DP)116) nicht mehr Herr und unterbanden weitgehend deren Einreise. Aus diesem Grund sammelten sich die Flüchtlingsströme zunächst in den amerikanischen und britischen Besatzungszonen Deutschlands und Österreichs.117)
Schließlich begannen auch die Briten ihre Zone gegen den Zuzug weiterer Juden aus Osteuropa abzuschotten. Die jüdischen Flüchtlinge erhielten dort – im Gegensatz zur US-Zone – auch keine besondere Fürsorge, sodass sich ihr Lebensstandard vorerst nicht wesentlich verbesserte. Auch die Franzosen nahmen in ihre Zone nur sehr wenige jüdische Flüchtlinge auf. Dies führte schließlich dazu, dass sich Ende 1945 ca. 90 Prozent der 180.000 jüdischen DPs in Westdeutschland in der amerikanischen Zone aufhielten.118)
Alltagsleben im jüdischen Displaced Persons-Lager Föhrenwald bei Wolfratshausen, 1946
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
Die Amerikaner hatten in ihrer Besatzungszone gegenüber den vom jahrelangen Überlebenskampf gezeichneten und verwahrlosten jüdischen Flüchtlingen zunächst nur wenig Sensibilität gezeigt. Diese mussten in eingezäunten und bewachten Lagern leben, die oftmals zuvor als Konzentrationslager gedient hatten. Nicht selten waren dort auch andere Ausländer untergebracht, zu denen auch ehemalige ukrainische bzw. baltische SS-Angehörige gehörten. Die Versorgungslage in diesen Lagern war, ebenso wie die hygienischen Zustände, sehr schlecht, was die Ausbreitung von Typhus und Tuberkulose förderte und zu einer hohen Sterblichkeitsrate führte. Erst infolge der Veröffentlichung des Harrison-Berichts im August 1945, der die Bedingungen in den amerikanischen DP-Lagern untersuchte und auf gravierende Missstände hinwies, verbesserte sich die Lage der jüdischen Displaced Persons.119) Aufgrund des Berichts erhielten die Juden von nun an bessere Unterkünfte, die sie nun nicht mehr mit nichtjüdischen DPs teilen mussten, bessere Versorgung sowie den offiziellen Status der Vereinten Nationen als „Displaced Persons“.120) 121
Essen in der Talmudschule im Displaced Persons-Lager in Bad Windsheim, Juni 1947
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
Auch ein Großteil der jüdischen Bevölkerung Stettins floh schließlich in die amerikanische Besatzungszone. In einem Bericht des Stettiner Wojewoden im August 1946 heißt es dazu: „Von den 31.000 Juden haben 80 % das (Stettiner) Gebiet wieder verlassen, sie befinden sich jetzt wohl im Gebiet von München in Obhut des UNRRA, (wo) sie auf die Weiterreise nach Palästina warten. Sie schreiben an ihre Bekannten in Stettin Briefe, darin beklagen sie sich über die sanitären Zustände, die miserable Ernährung und die Hoffnungslosigkeit beim Warten auf eine Möglichkeit zur Weiterreise nach Palästina. Trotzdem will ein Großteil der Stettiner Juden weiterhin illegal nach Westen.“122)
In Affinität zu den jüdischen Komitees in Polen wurde am 1. Juli 1945 ein „Zentralkomitee der befreiten Juden in Bayern“ (ZK) ins Leben gerufen, welches seine Zuständigkeit schließlich auf die gesamte US-Besatzungszone ausdehnte. Es kümmerte sich um die Belange der jüdischen DPs und forderte die Auswanderung aller Juden nach Palästina. Jedoch betrachtete sich das Zentralkomitee auch als einzige rechtmäßige Vertretung der Juden in Deutschland und beanspruchte daher alle jüdischen Vermögenswerte für sich. Dies führte wiederum zu schweren Konflikten mit den wiederbegründeten Israelitischen Gemeinden. In diesen waren viele der überlebenden deutschen Juden organisiert, die den zionistischen Grundsätzen des ZK ablehnend gegenüberstanden. Schließlich gab das ZK auf Druck der amerikanischen Militärregierung seinen Alleinvertretungsanspruch auf und beschränkte sich auf die Vertretung der aus Osteuropa stammenden DPs. Es wurde praktisch zu einer Regierung für die jüdischen Überlebenden aus Osteuropa und hatte verschiedene Ressorts, die beispielsweise Schulaus-bildung, Verwaltung, medizinische Versorgung, aber auch religiöse Seelsorge in den Lagern organisierten.124)
Polizeistation im jüdischen Displaced Persons-Lager in München-Freimann, 1946
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte
Die Lager verfügten über eine eigene Selbstverwaltung, die aus freien Wahlen der Bewohner hervorging. Da die jüdischen Parteien transnational organisiert waren, traten in den DP-Camps weitgehend dieselben (zionistischen) Parteien an, die auch in Polen bis Ende der vierziger Jahre aktiv waren. Finanzielle und materielle Unterstützung erhielten die jüdischen DPs vor allem vom Joint und vom UNRRA125), dem eine Tätigkeit in Polen untersagt geblieben war.
Gemeinsam war sowohl der Wunsch der Bewohner der DP-Lager wie auch der Kibbuzim, Deutschland möglichst bald zu verlassen, um sich in Palästina ein neues Leben aufzubauen. Die bayerischen Kibbuzim stellten nach der Gründung des Staates Israel 1948 ihren Betrieb ein, da ein Großteil der Mitglieder nach dem Wegfall der restriktiven Einwanderungsbestimmungen der britischen Mandatsmacht die Möglichkeit zur legalen Ausreise nutzte. Die meisten DP-Lager wurden wenig später aufgelöst, die letzten existierten bis etwa Mitte der fünfziger Jahre. So erfolgte das Ende dieser jüdischen Kleinuniversen in etwa gleichzeitig mit dem Niedergang jüdischen Lebens in Polen.
Dies bedeutete auch das Ende einer über Jahrhunderte gewachsenen jüdischen Kultur in Mittel- und Osteuropa und des Jiddischen als jüdische Volkssprache. Die Gründung des Staates Israel war somit das Resultat der Bildung ethnisch homogener Nationalstaaten in Mittel- und Osteuropa, die an die Stelle der früheren Vielvölkerstaaten getreten waren.
Visualisierte Quellen
Visualisierte Interviews aufgezeichnet und archiviert durch das University of Southern California Shoah Foundation Institute for Visual History and Education (Zugang: FU Berlin).
Ungedruckte Quellen
Achim Wörn studierte in Würzburg und Krakau Germanistik, Geschichte und polnische Philologie.
1 Die Curzon-Linie (benannt nach dem britischen Außenminister George Curzon) war nach dem Ersten Weltkrieg als polnisch-russische Demarkationslinie vorgeschlagen worden, was aber zunächst gegenstandslos blieb. Stalin setzte sie auf der Konferenz von Jalta als polnische Ostgrenze durch, sodass weite Teile Ostpolens an die Sowjetunion fielen.
2 Das Potsdamer Abkommen als Ergebnis der Potsdamer Konferenz der Siegermächte von 17. Juli bis 2. August 1945 regelte die Neuordnung Deutschlands.
3 Maciej Kozlowski: Did Poles save Jews during the Holocaust? In: Jacek Santorski (Hg.), Difficult Questions in Polish-Jewish Dialogue. How Poles and Jews see each other: a dialogue on key issues in Polish-Jewish relations, Warszawa 2006, S. 62–65, hier S. 67.
4 Raphael Friedman, Videographiertes Interview durch University of Southern California Shoah Foundation Institute for Visual History and Education, Nummer 29608, Segment #199-#203.
5 Rozencwajc, Videographiertes Interview (wie Anm. 4), Nr. 08491, Seg. #37; vgl. auch: Janusz Mieczkowski Žydzi, Niemcyn´i Ukrain´cy na Pomorzu Zachodnim w latach 1945–1956. Liczba, połoženie i działalnos´c´ść polityczna (Juden, Deutsche und Ukrainer in Westpommern in den Jahren 1945–1956. Anzahl, (gesellschaftliche) Lage und politisches Wirken, Szczecin 1994, S. 19.
6 Siehe dazu: Yosef Litvak, Polish-Jewish Refugees repatriated from the Soviet Union at the End of the Second World War and Afterwards, in: Jews in Eastern Poland and the USSR, 1939–1946, hg. v. Norman Davies/Antony Polonsky, London 1991, S. 228.
7 Ebd.
8 Stelman, Videographiertes Interview (wie Anm. 4), Nr. 361804, Seg. #17.
9 Litvak (wie Anm. 6), S. 234f.
10 Yehuda Bauer, Out of the ashes. The impact of American Jews on Post-Holocaust European Jewry. Oxford-New York-Frankfurt am Main 1989, S. 71.
11 Piotr Zaremba, Szczecin´skie lata 1946–1948 (Stettiner Jahre 1946–1948). Poznan´ 1970, S. 13.
12 Archivum Pan´stwowe w Szczecinie (Staatsarchiv Stettin, im Weiteren: APS), Urza̧d Wojewódzki w Szczecinie (Wojewodschaftsamt in Stettin, im Weiteren: UWS), Signatur 1316, Dokument 557, 558, 559, Fragebögen.
13 Aus dem Mittelhochdeutschen hervorgegangene westgermanische Sprache mit hebräischen und slawischen Elementen.
14 Ebd., Sign. 3408, Korespondencja w sprawie osiadnictwa ŻŽydów (Korrespondenz bezüglich der Ansiedlung der Juden), Dok. 3, Widział Osadnictwo do ob. Wojwody (Brief der Abteilung für Siedler an den Wojewoden).
15 APS, UWS, Sign. 3408, Dok. 3, Widział Osiedlency do Ob. Wojwody, maj 1946 (Abteilung für Siedler an den Wojewoden, Mai 1946).
16 Andreas R. Hofmann, Zur sozialen Lage der Siedler in den neuen Gebieten Polens 1945–1948, in: Juden und Armut in Osteuropa, hg. v. Stefi Jersch-Wenzel, Köln-Weimar-Wien 2000, S. 461.
17 Der Joint ist eine Hilfsorganisation amerikanischer Juden für jüdische Glaubensgenossen.
18 Božena Szaynok, Jüdische Selbsthilfe in Polen 1945–1950, in: Juden und Armut in Osteuropa, S. 438.
19 Stelman Videographiertes Interview, (wie Anm. 4), Seg. #19.
20 APS, UWS, Sign. 5681, Sprawozdanie sytuacyjne Pełnowocinka Rza̧du, styczien´–lipiec 1946 r. (Lageberichte des Regierungsbevollmächtigten, Januar–Juli 1946), Dok. 265, Sprawozdanie situacyjne za miesiąc lipiec 1946 r. (Lagebericht für den Monat Juli 1946).
21 Janusz Mieczkowski, Miȩdzy emigracją i asymilacja̧. Skice o szczecin´skich Žydach w latach 1945–1997. (Zwischen Emigration und Assimilation. Skizzen über die Stettiner Juden in den Jahren 1945–1997), S. 29, 31.
22 APS, UWS, Sign. 3408, Korespondencja w sprawie osiadnictwa ŻŽydów (Korrespondenz bezüglich der Ansiedlung der Juden), Dok. 92, WKŽP do Wojewódzkiego Urza̧du w Szczecinie (Brief des WKŽP an das Wojewodschaftsamt in Stettin).
23 APS, UWS, Sign. 5681, Sprawozdania sytuacyjne Pełnowocinka Rządu, styczien´–lipiec 1946 r. (Lageberichte des Regierungsbevollmächtigten, Januar–Juli 1946), Dok. 29, Sprawozdanie sytuacyjne za miesiąc luty 1946 r. (Lagebericht für den Monat Februar 1946).
24 Piotr Krupin´ski, Odczytac´ miasto (Die Stadt entschlüsseln), in: Pogranicza (Grenzland) 4 2003, S. 7.
25 Irena Hurwic-Nowakowska, A social analysis of postwar Polish jewry (Studies of the Center for Research on the History and Culture of Polish Jews. The Hebrew University of Jerusalem), Jerusalem 1986, S. 86.
26 Dos Naje Lebn, Nr. 13, 1945; zit. nach Michał Grznberg, Žydowska spóldzielczos´z´ś pracy w Polsce w latach 1945–1949 (Das jüdische Arbeitsgenossenschaftswesen in Polen 1945–1949), Warszawa 1986, S. 15.
27 Mieczkowski (wie Anm. 21), S. 20.
28 Vgl.: Weintraub (wie Anm. 4), Nr. 42965, Seg. #31.
29 Archivum ŻŽydowskiego Institutu Historycznego w Warszawie (Archiv des Jüdischen Historischen Instituts in Warschau, im Weiteren: AŽIH), Centralny Komitet ŻŽydów Polskich (Zentralkomitee der Polnischen Juden, im Weiteren: CKŽP), Widział Organizacyjny (Organisationsabteilung), Sign. 15, unpaginiert (Statuten des CKŽP).
30 Organisation – Reconstruction – Training. 1880 in Russland als „Gesellschaft für handwerkliche und landwirtschaftliche Arbeit (unter Juden)“ gegründet.
31 Mieczkowski (wie Anm. 21), S. 20.
32 Zwischen Stettin und Szczecin, Metamorphosen einer Stadt zwischen 1945 und 2005 (Veröffentlichung des Deutschen Polen-Instituts Darmstadt, Bd. 27), Wiesbaden 2009 (zugl. Diss. phil., Frankfurt an der Oder 2008), S. 34.
33 J. Mieczkowski (wie Anm. 21), S. 24.
34 Ebd., S. 24f.
35 Vgl. hierzu: Komitet Wojewódzki Polskiej Zjednocyonej Partii Robotniczej w Szczecinie (KW PZPR), Sign. 1244, Sprawozdania, protokoły, zespołu PZPR przy WKŽP, Korespondencja z narad aktyom wyjazd do Israela 1949–50 (Wojewodschaftskomitee der Vereinigten Polnischen Arbeiterpartei (PZPR) in Stettin, Berichte, Protokolle der Fraktion der PZPR an das WKŽP; Korrespondenz aus Besprechungen über den Vorgang der Ausreise nach Israel 1949–50), Dok. 52, Brief der Arbeitsgenossenschaft Og-met an das KW der PZPR.
36 Mieczkowski (wie Anm. 21), S. 23.
37 Stelman (wie Anm. 4), Seg. #22; M. Rozencwajc (wie Anm. 4) Seg. #54
38 Stelman (wie Anm. 4), Seg #22.
39 Menachem Wallach (wie Anm. 4), Nr. 17030, Seg. #125.
40 Vgl. hierzu: Jim G. Tobias: „Sie sind Bürger Israels“. Die geheime Rekrutierung jüdischer Soldaten außerhalb von Palästina/Israel 1946 bis 1948, Nürnberg 2007, S. 55–59.
41 M. Wallach (wie Anm. 4), Seg. #125.
42 Mieczkowski (wie Amn. 21), S. 23.
43 Jan T. Gross, Fear, Antisemitism in Poland after Auschwitz, An essay in historical interpretation, New York 2007, S. 31.
44 Szaynok (wie Anm. 18), S. 436.
45 Ebd., S. 438.
46 Ebd., S. 436.
47 Ariel Tartakower, Bund, in: Jüdisches Lexikon, Ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens in vier Bänden, Hg. v. Georg Herlitz und Bruno Kirschner, Bd. I., Berlin 1927 (Nachdruck Frankfurt am Main 1987), S. 1234.
48 Dies war die kommunistische Partei in Polen.
49 Szaynok (wie Anm. 18), S. 437.
50 Mieczkowski (wie Amn. 21), S. 74.
51 Ebd., S. 63f.
52 Ebd., S. 98.
53 Ebd., S. 46f.
54 Siehe dazu: Mieczkowski (wie Anm. 21), S. 46f.
55 E. Friedler, Makkabi chai – Makkabi lebt, Die jüdische Sportbewegung in Deutschland 1898–1998, Wien 1999.
56 Hurwic-Nowakowska (wie Anm. 25), S. 47.
57 Mieczkowski (wie Anm. 21), S. 42.
58 Vgl. J. Peiser, Die Geschichte der Synagogengemeinde Stettin, Würzburg 1965, S.156.
59 Andrzej Paczkowski, Why were Jews murdered in Poland after the war? In: Jacek Santorski (Hg.), Difficult Questions in Polish-Jewish Dialogue, Warszawa 2006, S. 87–90, hier S. 88.
60 Unsignierter Brief an Julian Tuwim, 30. Juli 1946, Zitiert nach David Engel: Polen und Juden nach 1945, Historisches Bewusstsein und politischer Kontext als Faktoren polnisch-jüdischer Beziehungen in der Nachkriegszeit, in: Babylon 15 (1995), S. 40.
61 David Engel, Polen und Juden nach 1945, Historisches Bewusstsein und politischer Kontext als Faktoren polnisch-jüdischer Beziehungen in der Nachkriegszeit, in: Babylon, Beiträge zur jüdischen Gegenwart 15 1995, S. 36.
62 Paczkowski (wie Anm. 59), S. 88–90.
63 Engel (wie Anm. 21), S. 33.
64 Ebd., S. 35.
65 Angelika Königseder, Flucht nach Berlin, Jüdische Displaced Persons 1945–1948. (Dokumente-Texte-Materialien. Veröffentlichungen vom Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin, Bd. 27), Berlin 1998, S. 36.
66 Andrzej Paczkowski, How many Jews were functionaries of the Security Service in the 1940s and 1950s? In: Maciej Kozlowski et al., Difficult Questions in Polish-Jewish dialogue, How Poles and Jews see each other: a dialogue on key issues in Polish-Jewish relations, Warszawa 2006, S.91–94, hier S. 91.
67 Bauer (wie Anm. 10), S. 71f.
68 Andreas R. Hofmann, Die polnischen Holocaust-Überlebenden. Zwischen Assimilation und Emigration, in: Fritz Bauer Institut (Hg.), Überlebt und unterwegs, Jüdische Displaced Persons im Nachkriegsdeutschland, Jahrbuch 1997 zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, Frankfurt am Main-New York 1997, S. 53.
69 Mieczkowski (wie Anm. 21), S. 49, Thomas Albrich, Zionisten wider Willen. Hintergründe über den Ablauf des Exodus aus Osteuropa, in: Rolf Steininger (Hg. et al.) sowie Flucht nach Eretz Israel: Die Bricha und der jüdische Exodus durch Österreich nach 1945. Innsbruck-Wien 1998, S. 22.
70 Thomas Albrich, Zionisten wider Willen. Hintergründe über den Ablauf des Exodus aus Osteuropa, in: Rolf Steininger (Hg. et al.), Flucht nach Eretz Israel: Die Bricha und der jüdische Exodus durch Österreich nach 1945. Innsbruck-Wien 1998, S. 22.
71 Hofmann (wie Anm. 68), S. 57f.
72 APS, UWS, Sign. 3408, Dok. 115, Korespondencja w sprawie osiadnictwa Žydów (Korrespondenz bezüglich der Ansiedlung der Juden).
73 Der Stettiner Basar war der zentrale Schwarzmarkt in Stettin, auf dem v.a. Lebensmittel aus Großpolen und das Inventar aus den Häusern der Stadt gehandelt wurde. Siehe dazu: Gregor Thum, Die fremde Stadt, Breslau 1945, Berlin 2003.
74 O.V.: „Energische Handlung des Stettiner Wojewoden“, in: Dos Naje Lebn, Nr. 18 (43) vom 7. Juni 1946, abgedruckt in: Jacob Peiser, Die Geschichte der Synagogen-Gemeinde zu Stettin, Eine Studie zur Geschichte des pommerschen Judentums (Ostdeutsche Beiträge aus dem Göttinger Arbeitskreis, Bd. 37), Würzburg 1965, S. 155.
75 APS, UWS, Sign. 1318, Dok. 147, WKŽP do UB w Szczecinie, (Brief des WKŽP an das Sicherheitsamt in Stettin), 27.11.1946.
76 APS, UWS, Sign. 5683, Sprawozdania sytuacyjne Pełnowocinka Rządu (styczen´-lipiec 1947 r.), (Lageberichte des Regierungsbevollmächtigten, Januar–Juli 1947), Dok. 131, Sprawozdanie za miesiąc luty 1947 r. (Lagebericht für den Monat Februar 1947).
77 Mieczkowski (wie Anm. 21), S. 47.
78 Ebd.
79 Ebd.
80 APS, UWS, Sygn. 5681, Dok. 33, Sprawozdanie situacyjne za miesiąc luty 1946 r. (Stan bezpieczenstwa), (Lagebericht für den Monat Februar 1946, Sicherheitslage).
81 Bericht von Ursula Jühnke, in Auszügen abgedruckt in: Stettin – Szczecin 1945–1946. Dokumente – Erinnerungen, hg. v. Tadeusz Białecki et al., Rostock 1995, S. 79.
82 Brief von Hans Jarcke an Karin Koltermann vom 30. April 1946, abgedruckt in: ebd., S. 325.
83 A. Cincinatus, Besuch in Stettin, in: Dos Naje Lebn, Nr. 27 vom 04.04.1947, S. 9, abgedruckt in: Peiser (wie Anm. 74), S. 156f.
84 Ebd.
85 Vgl. hierzu: Klaus-Peter Friedrich, Antijüdische Gewalt nach dem Holocaust, Zu einigen Aspekten des Judenpogroms von Kielce, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 6 (1997), hg. v. Zentrum für Antisemitismusforschung, Berlin 1997, S. 115–147.
86 Wie Anm. 44.
87 A. Cinicinatus, „Besuch in Stettin“, in: Dos Naje Lebn, Nr. 27 vom 4. April 1947, Seite 9, abgedruckt in: J. Peiser: Synagogengemeinde(wie Anm. 74), S. 157.
88 Kersten Rok 1968: motyw žydowski (Das Jahr 1968: Jüdische Beweggründe), in: Res Publica, Nr. 5 (1988), S. 64.
89 Mieczkowski (wie Anm. 21), S. 51.
90 Vgl. Y. Bauer, Flight and Rescue, Bricha, New York, 1971, S. 5ff.
91 Ebd., S. 116.
92 Auszüge aus dem Bericht von Ursula Jühnke, abgedruckt in: Szczecin–Stettin (wie Anm. 81), S. 75–87, hier S. 79.
93 Albert Stankowski, Emigracja Žydów z Pomorza Zachodniego w latach 1945-1960 (Die Emigration der Juden aus Westpommern in den Jahren 1945–1960), in: Studia z dziejów i kultury Žydów w Polsce po 1945 roku, pod redakcją Jerzego Tomaszewskiego (Studien zur Geschichte und Kultur der Juden in Polen nach 1945, Jerzy Tomaszewski (Red.), Warszawa 1997, S. 108.
94 Ryszard Techmann, Armia radziecka w gospodarce morskiej Pomorza Zachodniego (Die sowjetische Armee in der Meereswirtschaft Westpommerns), Poznah 2003, S. 35.
95 Balter: Visualisiertes Interview Nr. 35851 (wie Anm. 4), Seg. #366.
96 Königseder (wie Anm. 65), S. 51.
97 Simchra Shafran (wie Anm. 4), Nr. 47557, Seg. # 204. Vgl. hierzu auch: Toba Schachter (wie Anm. 4), Nr. 12346, Seg. #45.
98 Abkommen zwischen den britischen und polnischen Vertretern der Vereinigten Repatriierungsexekutive (CRX) über die Umsiedlung der deutschen Bevölkerung aus Polen, geschlossen zwischen der britischen Rheinarmee und der polnischen Regierung in Berlin am 14. Februar 1946, abgedruckt in: Stettin–Szczecin, S. 331–335, hier S. 332.
99 Königseder (wie Anm. 65), S. 47ff.
100 Ebd.
101 Beide Vorgänge wurden von den Polen als Repatriierung der jeweiligen Bevölkerung bezeichnet.
102 Bauer (wie Anm. 90), S. 345.
103 APS, UWS, Sign. 5682, Wydział Spółeczno-Polityczny (Gesellschaftspolitische Abteilung), Dok. 143, Sprawozdanie sytuacyjne Wojewody szczecin´skiego za miesiąc wrzesien´ 1946 r. (Lagebericht des Stettiner Wojewoden für den Monat September 1946), siehe hierzu auch Dok. 33-35, Sprawozdanie sytuacyjne wojewody szczecin´skiego za miesiąc sierpien 1946 r. (Lagebericht (…) August 1946).
104 Bauer (wie Anm. 90), S. 238f.
105 M. Stefaniak, Nielegalna emigracja Žydów z Pommorza Zachodniego w latach 1945–1948 (Die illegale Emigration der Juden aus Westpommern in den Jahren 1945–1948), S. 371f, in: Žydzi oraz ich sziedzi na Pomorzu Zachodnim w XIX i XX wieku (Die Juden und ihre Nachbarn in Westpommern im 19. und 20. Jahrhundert), hg. v. Mieczyslaw Jaroszewshi, 2007.
106 Natalia Aleksium-Mądrzak, Nielegalna emigracja Žydów z Polski w latach 1945–1947, czes´c´ III (Die illegale Emigration der Juden aus Polen in den Jahren 1945–1947, Teil 3), in: BŻIH 1996, X–XII , Nr. 4, S. 44.
107 Stefaniak (wie Anm. 105), S. 370.
108 Natalia Aleksiun-Mądrzak, Ruch syjonistyczny wobec systemu rządów w Polsce w latach 1944–1949 (Die zionistische Bewegung gegenüber dem Regierungssystem in Polen in den Jahren 1944–1949), in: Komunizm. Ideologia, system, ludzie, pod red. Tomasza Szaroty (Der Kommunismus. Ideologie, System, Menschen, Tomasz Szarota (Red.), Warszawa 2001, S. 215–220.
109 Stefaniak (wie Anm. 105), S. 374.
110 Stankowski (wie Anm. 93), S. 129.
111 APS, KW PZPR, Sign. 1244, Sprawozadania, protokoły zespołu PZPR przy WKŽP. Korespondencja z narad aktyom wzjazdy do Israela 1949-50 (Berichte, Protokolle der Gruppe der PZPR beim WKŽP), Dok. 88, Zespoł PZPR przy Wojewódzkim Komitecie Żydowskim w Szczecinie do Komitetu Wojewódzkiego PZPR w Szczecinie (Die Gruppe der PZPR beim WKŽP in Stettin an das Wojewodschaftskomitee der PZPR in Stettin).
112 Die Polnische Vereinigte Arbeiterpartei (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza, PZPR) ging aus einem erzwungenen Zusammenschluss der Polnischen Sozialistischen Partei (Polska Partia Sozjalysticzna, PPS) und der Polnischen Arbeiterpartei (PPR) hervor. Diese Zwangsvereinigung war ähnlich der SPD mit der KPD zur SED in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands.
113 Ebd., Dok. 51, Brief der Arbeitsgenossenschaft Wolnos´c´ an das Wojewodschaftskomitee der PZPR.
114 Ebd., S. 133.
115 Mieczkowski (wie Anm. 69), S. 23.
116 „Displaced“ bezeichnet im Englischen etwas „Ortsfremdes“. Im übertragenen Sinn galt jeder als Displaced Person, der durch die Nazis und den Krieg sozial entwurzelt und politisch rechtlos wurde. Unter diese Bezeichnung fielen in der Regel KZ-Häftlinge und ausländische Zwangsarbeiter. Der DP-Status war wichtig, um von den US-Besatzern oder von den Hilfsorganisationen unterstützt zu werden. Daher versuchten nicht selten auch ehemalige Kollaborateure der Nazis, die sich an Verbrechen gegen Juden beteiligt hatten und mit den Deutschen aus Osteuropa zurückgewichen waren, sich den DP-Status zu erschleichen.
117 Bauer (wie Anm. 90), S. 119, 212.
118 Jim G. Tobias, Der Kibbuz auf dem Streicher-Hof, Die vergessene Geschichte der jüdischen Kollektivfarmen 1945–1948. Nürnberg 1997, S. 17.
119 Vgl. hierzu Jim G. Tobias, Vorübergehende Heimat im Land der Täter, Jüdische DP-Camps in Franken 1945–1949. Nürnberg 2002, S. 17ff.
120 Zuvor galten nur diejenigen als Displaced Persons, die während des Krieges nach Deutschland verschleppt wurden, nun schloss der DP-Status beispielsweise auch Juden ein, die erst nach dem Krieg in den Westen flohen.
121 Tobias (wie Anm. 118), S. 18.
122 APS, UWS, Sign. 5682, Sprawozdania situacyjne Wojewody Szczecin´skiego, sierpien´–pazdziernik (Lageberichte des Stettiner Wojewoden, August–Oktober 1946), Dok. 33-35, Sprawozdanie situacyjne za miesiąc sierpien´ 1946 r. (Lagebericht für den Monat August 1946).
123 Tobias (wie Anm. 118), S. 21.
124 Ders. (wie Anm. 119), S. 22–25.
125 United Nations, Relief and Rehabilitation Administration ( Nothilfe und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen).
126 Vgl.: Jim G. Tobias, Der Kibbuz auf dem Streicher-Hof. Die vergessene Geschichte der jüdischen Kollektivfarmen 1945–48. Nürnberg 1997.