Einsichten und Perspektiven 02/2009
Ludwig Spaenle„Der Bayer hat das Land verheeret, wie eine Sau die Flur zerstöret. Franz! leg dem Rüssel Ringe an, damit er nicht mehr wühlen kann.“ So lautet eine Strophe aus einem typischen derben Tiroler Spottlied. Lieder wie dieses wurden in den Wirtshäusern zwischen Kufstein und Salurn vielfach gesungen – nach der Etablierung der bayerischen Herrschaft per Besitzergreifungspatent von König Max I. Josef vom 22. Januar 1806. mehr...
Peter MärzAm 27. August 1914, knapp vier Wochen nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, resümiert der fiktive Held in Alexander Solschenizyns Roman „August 1914“, Oberst Worotynzev, als sich auf dem ostpreußischen Schlachtfeld der Ring der deutschen achten Armee um die russische Armee Samsonow zu schließen beginnt: „Zu Bismarcks Zeit gab es das Dreikaiserbündnis, und Osteuropa hatte ein halbes Jahrhundert Ruhe. Der russisch-deutsche Frieden war bekömmlicher gewesen als alle diese Manifestationen an der Seite der Pariser Zirkuskünstler.“ mehr...
„Wir lebten in einer Oase des Friedens“ Die Geschichte einer jüdischen Mädchenschule 1926–1938 In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wurden in Deutschland die Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte zerstört und Gewalttätigkeiten gegen jüdische Mitbürger vor den Augen aller begangen. Mit der Reichspogromnacht kam auch das Ende der 1926 gegründeten jüdischen Frauenschule im oberbayerischen Wolfratshausen, die Schülerinnen wurden verjagt, das Heim geschlossen. Heute erinnert nur noch ein Schild des Historischen Vereins an die Existenz der Schule. mehr...
Jasmin RöllgenTrotz der umfangreichen Kampagne, die rund 18 Millionen kostete (etwa 0,05 Euro pro Wahlberechtigte), konnten nicht mehr Wähler als 2004 an die Urnen gebracht werden. Die Europawahlen 2009 sind im Gegenteil durch eine nochmals gesunkene Wahlbeteiligung gekennzeichnet – ein europäischer Trend seit der ersten Direktwahl 1979. mehr...
Hans-Peter FolzIm Oktober entscheidet sich mit dem zweiten Referendum in Irland, ob der Reformvertrag von Lissabon in Kraft treten kann. Aus diesem Anlass wägt Hans-Peter Folz aus juristischer Perspektive Vorzüge und Nachteile des Vertrages. mehr...
Brigitte ZuberVon Von der Enge zur Weite – so romantisch könnte der imperiale Eroberungsdrang nach Osten formuliert werden. Das Ästhetisierungsprogramm der Nazis war auf den Krieg zugeschnitten. Dem Andachtsraum für die deutsche Größe entsprachen die Schreckenskabinette für den „Untermenschen“. Und nach wie vor ist nicht fassbar, zu welchen Vernichtungszügen die NS-Herrschaft fähig war und wie so viele Menschen dieses Regime aktiv mit errichten konnten. mehr...