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Seit 600 Jahren leben Sinti und Roma in Deutschland. Ihre wechselvolle Geschichte war vor allem geprägt von Diskriminierung und Verfolgung, hervorgerufen und getragen von Klischees und Vorurteilen. Unter dem Nationalsozialismus erreichte die Verfolgung bisher nie gekannte schreckliche Ausmaße. Nach „rassischer“ Einordnung und systematischer Erfassung folgten Ausgrenzung, Verhaftung, Deportation und Ermordung.
Die Diskriminierung von Minderheiten hat eine lange historische Tradition. Vielfach setzen sich Vorurteile und Klischees ohne Berücksichtigung der tatsächlichen Lebenswirklichkeit im kollektiven Bewusstsein der Mehrheitsgesellschaft fest. Die verwurzelten Vorurteile wurden von den Nationalsozialisten auf fatale Weise aufgegriffen und mit Zerrbildern hinterlegt. Dies hat dazu beigetragen, dass die Entrechtung und Ermordung der Sinti und Roma im Dritten Reich ohne erkennbare Proteste von der Bevölkerung hingenommen wurden. Bestimmte Klischees und Vorurteile reichen bis in unsere Zeit, lösen Ängste aus oder führen zu unterbewusster Ablehnung.
Es ist vor allem deshalb ein wichtiges Anliegen, dass nach den Jahren der Benachteiligung und Diskriminierung Sinti und Roma gesellschaftlich und kulturell volle Anerkennung finden und ihnen rechtlicher Schutz zuteil wird. Letzterer wird auch dadurch gewährleistet, dass die Bundesrepublik Deutschland zu den Unterzeichnerstaaten der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen vom 5. November 1992 sowie des Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten vom 1. Februar 1995 gehört. In diesem Rahmenübereinkommen sind elementare Minderheitenrechte und Ziele für das Zusammenleben der Volksgruppen in den Unterzeichnerstaaten verankert.
Neben dem rechtlichen Schutz muss aber auch die Vermittlung von Fakten und Wissen über die tatsächliche Lebenswirklichkeit dieser Gruppen und ihrer Geschichte stehen, um eine bessere Akzeptanz von Minderheiten wie den Sinti und Roma in der Gesellschaft herbeizuführen. So wichtig Zahlen, Daten und Fakten sind, so kann doch die Darstellung eines Einzelschicksals uns die historischen Vorgänge viel näher bringen und verständlich machen.
Die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit hat deshalb das Angebot von Franz Rosenbach, seine Biographie zu veröffentlichen, gerne angenommen. Die Lebensbeschreibung wurde ergänzt durch Dokumente und eine allgemeine historische Darstellung, die von dem Bayreuther Geschichtswissenschaftler Norbert Aas verfasst wurden. Diese verschiedenartigen Texte wurden nicht separat abgedruckt, sondern ineinander verschränkt. Für den Leser ist jedoch - auch über grafische Kennzeichnungen - sofort erkennbar, in welchem Bereich er sich gerade bewegt.
Die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit will mit dieser Biographie, die exemplarisch die Verfolgungsgeschichte einer ganzen Minderheit darstellt, dazu beitragen, dass festgefügte Bilder zurechtgerückt und tief sitzende Vorurteile beseitigt werden.