Einsichten und Perspektiven. Bayerische Zeitschrift für Politik und Geschichte Landeszentrale für politische Bildungsarbeit

Schwerpunkt Estland - Reportagen vom Rande Europas

Die Landeszentrale hat im Herbst 2004 gemeinsam mit der Akademie der Bayerischen Presse eine Kooperation realisiert, die jungen Journalistinnen und Journalisten im Rahmen eines „Auslands-Reportage-Seminars“ und als Ergänzung zur regulären Ausbildung Recherchen in Estland ermöglicht hat. Die Beschäftigung mit Estland als einem der neuen mittelosteuropäischen EU-Mitglieder versprach dabei besonderen Gewinn; dass die Transformation einer ehemaligen Sowjetrepublik hin zu einer marktwirtschaftlich geordneten Demokratie von Erfolgen, aber auch von Problemen und Brüchen geprägt sein muss, liegt dabei auf der Hand. Die folgenden drei Texte stellen eine Auswahl der in diesem Zusammenhang entstandenen Reportagen dar.

 

Kathrin Ganter: Endstation Narva

Der Junge mit dem leeren Blick sitzt in der letzten Reihe. Alexej heißt er, ist hager und hat kurzgeschorenes, dunkles Haar. Ein Russe, 17 Jahre alt, älter als seine Klassenkameraden. Er schaut die Lehrerin mit seinen grauen, kalten Augen an, nimmt jedoch nicht auf, was sie sagt. Gedankenverloren malt er auf seinem Block herum.

Bettina Hunold: Die dunklen Streifen des Tigers

Mit seinem Wirtschaftsboom gilt Estland als Vorzeigestaat unter den baltischen Staaten. Doch der „baltische Tiger“ bezieht einen Großteil seines wirtschaftlichen Erfolges aus niedrigen Löhnen und fehlender sozialer Sicherheit für die Arbeitnehmer. Auch deutsche Unternehmer schätzen diese „Vorteile“ – so wie Joachim Smarzoch, dessen Holzfabrik mit rund 400 Arbeitnehmern zu den größten Unternehmen im mittelständisch geprägten Estland zählt.

Tobias Zell: Wo Lenin heute einsam wacht

Narva in Estland ist die Stadt der traurigen Superlative. Hier ist die Arbeitslosigkeit doppelt so hoch wie im restlichen Estland. Hier leben 95 Prozent Russen, die kaum oder gar nicht estnisch sprechen. Hier ist der Drogenumschlagplatz Nummer 1 zwischen Russland und dem Baltikum. Hier stehen zwei Ölschieferkraftwerke, die 88 Prozent des Gesamtausstoßes an Stickstoff und 95 Prozent des Staubes in ganz Estland produzieren. Narva, direkt an der russischen Grenze, ist Teil der EU, aber längst nicht in Europa angekommen.

Simone Meier: Merlins Zauber

Gar nicht so leicht, einer ganzen Horde hungriger Jugendlicher zu entkommen, die sich auf zwölf Quadratmeter Küche zum Abendessen versammelt. Pizza steht auf dem Speiseplan. Doch was Dubso die Angst in die Hasenbeine fahren lässt, ist für die mit Mehl bekleckerte, knapp ein Meter sechzig große Merlin Kaljovee seit fast zwei Jahren Familien-Alltag. In den Straßen Tallinns, der Hauptstadt Estlands, zeigt sich ein anderes Bild. Genau dort, zwischen Joop-Boutique, mächtigen Glasfassaden und bei Sonnenlicht gülden strahlenden Sakralbauten leben nach Schätzungen der Jugendpolizei rund 15 000 Straßenkinder.

Zdenek Zofka: www.politische-bildung-bayern.de

Die Bayerische Landeszentrale begeht in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Dies ist uns auch Anlass für einen medialen „Tapetenwechsel“: Der Internet-Auftritt der Landeszentrale erscheint seit 1. März dieses Jahres in neuem Gewande. Das bedeutet auch, Abschied nehmen von dem gelben Bogen, der zusammen mit dem Logo bislang für den Wiedererkennungseffekt der Landeszentrale im Internet sorgte.

Robert F. Oberloher: Sicherheit umfassend begreifen

Karl Valentin meinte seinerzeit: „Sicher ist, dass nichts sicher ist.“ Gefahren durch weltweite terroristische Anschläge, der Erfolg radikaler politischer Bewegungen und steigende Kriminalitätsraten verunsichern viele Menschen, sie lösen
Diskussionen aus um die Frage, ob ein bestimmtes Maß von Sicherheit dauerhaft garantierbar sei, und bestätigen das grotesk-humoristische Bonmot Karl Valentins auf eine ernsthafte Weise.

Ein österreichischer Blick auf Europa

Interview mit Dr. Werner Fasslabend, früherer Verteidigungsminister der Republik Österreich und 3. Präsident des Österreichischen Nationalrats

Zdenek Zofka. Schlusslicht Afrika

Die miserablen wirtschaftlichen Verhältnisse prägen natürlich die Lebensbedingungen der Afrikaner. Fast die Hälfte der Einwohner Afrikas südlich der Sahara lebt in bitterster Armut, muss mit weniger als einem Dollar täglich auskommen. Die afrikanischen Staatsmänner haben erkannt: Es sind die schlechten politischen Rahmenbedingungen, die verhindert haben, dass ausländische Investoren die Wirtschaft des schwarzen Kontinents in Schwung brachten.

Saskia Hieber: Großmacht China?

Die Volksrepublik China gehört geografisch zu den größten Ländern der Erde.
Mit ihrer Bevölkerungszahl (1,3 Mrd. Menschen) steht sie an der Spitze der Staaten. Aus ihrer demografischen Macht resultiert prinzipiell auch ein weltweit herausragendes Marktpotenzial. Die Frage nach deren Realisierung ist von weltwirtschaftlicher Bedeutung.

Iris Hofer: Die Holocaustausstellungen im Kibbuz Beit Lohamei HaGetaot

Am 19.4.1949, dem sechsten Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto, wurde von Juden, die in Konzentrationslagern, unter falschem Namen oder in den
Reihen der Roten Armee den Holocaust überlebt hatten und 1948 nach Israel gekommen waren, zeitgleich mit der Feier der ersten Gedenkzeremonie an den Holocaust das Kibbuz Beit Lohamei HaGetaot, The Ghetto Fighters’ House, gegründet.

Werner Karg: Festschrift für Guy Stern

Am 31. Januar 2005 wurde im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus ein Mann geehrt, der in seiner Person und in seiner Vita sehr viel von dem vermittelnd zum Ausdruck bringt, was das zurückliegende Jahrhundert uns Heutigen als Bürde und Verpflichtung auferlegt. Kultusministerin Monika Hohlmeier hat Prof. Dr. Guy Stern eine Festschrift überreicht, die – in Verbindung mit der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit – von Prof. Dr. Konrad Feilchenfeldt und Prof. Dr. Barbara Mahlmann-Bauer herausgegeben wurde.

Peter März: Von der Porta Westfalica bis zum Watzmann

Nordrhein-Westfalen und Bayern sind die nach Einwohnerzahl und Wirtschaftsstruktur stärksten deutschen Länder und muten zugleich in Vielem förmlich antipodisch an. Gerade deshalb ist es reizvoll, beim Blick auf Akteure wie Entwicklungen in der jeweiligen Landespolitik nicht nur nach Unterschieden, sondern eben auch nach Parallelen, an einigen Stellen vielleicht auch spannenden Verknüpfungen zu fragen.

 


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© Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit   •   letzte Änderung am: 13.03.2005 13:06